Ischingers Spielregeln

von Redaktion

„Interaktive Konferenz“: Redner müssen Fragen akzeptieren

München – Gleich zum Auftakt redet der Gastgeber den Gästen ins Gewissen. „Es ist nicht genug für Sie, die mächtigsten Menschen der Welt, mit den Schultern zu zucken und zu sagen: Die Dinge sind, wie sie sind“, mahnt Wolfgang Ischinger in seiner Begrüßung zur Sicherheitskonferenz. „Nein, der aktuelle Zustand globaler Unsicherheit ist absolut unakzeptabel. “ In Syrien, Libyen und anderen Konflikten würde geschossen. „Wir schauen zu“.

Der ehemalige Botschafter in Washington und London, der da diese Konferenz eröffnet, ist kein Diplomat, der seinen Gästen nur nach dem Mund redet. Die Welt sei zu einem ziemlich gefährlichen Ort geworden, sagt der 73-Jährige. Dazu passt auch ein Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS), der am Freitag am Rande der Konferenz vorgestellt wurde: Die weltweiten Militärausgaben haben sich demnach im vergangenen Jahr um vier Prozent erhöht – der höchste Anstieg seit zehn Jahren. Die USA und China investierten gegenüber 2018 sogar jeweils 6,6 Prozent mehr Geld in ihre Streitkräfte.

Als Gastgeber will Ischinger, dass während der drei Tage im Bayerischen Hof nicht übereinander, sondern miteinander geredet wird. Doch wenn die Gäste aus China, Russland und dem Iran kommen, wo die Mächtigen keine kritische Fragen gewohnt sind, ist das nicht immer einfach. Ischingers Spielregeln: „Wir erwarten von unseren Rednern, dass sie Fragen akzeptieren.“ Dies sei eine „interaktive Konferenz“. Es gehe darum, miteinander zu reden und nicht nur Vorträge zu halten und die Meinung der anderen zu ignorieren.

Vor allem die Einladung an den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte für Kritik gesorgt. Ischinger: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir miteinander sprechen und einander zuhören müssen.“  mik

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