München – Mit gut 13 Millionen Einwohnern leben heute doppelt so viele Menschen in Bayern wie vor 100 Jahren. Das liegt vor allem an wachsenden Städten wie Würzburg, Nürnberg oder München – die Landeshauptstadt platzt mittlerweile aus allen Nähten. 1950 lebten hier knapp 830 000 Menschen, heute sind es fast 1,4 Millionen – ein Anstieg von 77 Prozent. Und: Bis 2040 soll die Einwohnerzahl um weitere 18,8 Prozent steigen.
Kein Wunder: Bei der Attraktivität des Wohnorts schneiden laut Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) Metropolen und ihr Umland besser ab als Kommunen im ländlichen Raum – gemessen am Kita- und Schulangebot, Läden und dem nächsten Krankenhaus. Und dennoch: Der Freistaat ist und bleibt ländlich.
Jedes zweite Baby in Bayern kommt als Dorfkind zur Welt. Zuletzt wurden 66 300 Geburten in einem Jahr gezählt. Das geht aus dem aktuellen Heimatbericht hervor. Der ländliche Raum nimmt fast 90 Prozent der Landesfläche ein, hier leben mehr als die Hälfte der Einwohner Bayerns – das sind rund 7,25 Millionen Menschen in fast 1800 Gemeinden. Und: Gut 44 Prozent der Wirtschaftskraft Bayerns werden auf dem Land erwirtschaftet. Das Leben auf dem Land wird in Bayern offenbar wieder attraktiver. In den vergangenen Jahren zogen mehr Menschen auf das Land als weg. Vor allem in Oberbayern boomt der Münchner Speckgürtel: In den nächsten zwei Jahrzehnten sagt das Landesamt für Statistik zum Beispiel für die Landkreise Dachau und Ebersberg ein Bevölkerungswachstum von rund zwölf Prozent voraus.
Die Menschen auf dem Land werden gleichzeitig immer älter. Zwar wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Kinder auf dem Land geboren – doch laut Landesamt für Statistik sterben in den meisten Gemeinden jedes Jahr mehr Menschen als geboren werden. Mit 46,3 Jahren sind die Menschen in Garmisch-Partenkirchen momentan die ältesten Oberbayern – und bis 2038 schätzt das Amt ihr Durchschnittsalter auf 48,2 Jahre. Der Durchschnitts-Münchner wird zu dem Zeitpunkt gerade mal 43 Jahre alt sein.
Laut Statistik ist die Anzahl der Dörfer seit 1950 erheblich geschrumpft. Damals lebten noch fast die Hälfte der Bayern in Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern. Heute sind es gerade mal 7,6 Prozent. Der Grund: Fast 90 Prozent der Gemeinden mit unter 2000 Einwohnern sind verschwunden – viele allerdings nur auf dem Papier. Das liegt vor allem an der Gebietsreform in den 70er-Jahren. Damals wurden viele kleine Gemeinden in Bayern miteinander fusioniert.
Übrigens: Bis 1800 haben gerade mal drei Prozent der Weltbevölkerung in Städten gelebt. 1950 waren es 29 Prozent. Erst im Jahr 2008 wurde die 50-Prozent-Schwelle überschritten: Es war das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land lebten. KATHRIN BRAUN