Verfolgungswahn und Rassismus – die krude Welt des Täters

von Redaktion

Tobias R. glaubte, dass er die Idee zu Hollywood-Filmen hatte und sich geheime Mächte in sein Hirn einklinken

Hanau – Ein Mann, der keine Frau findet. Ein Mann, der an geheime Mächte glaubt, die ihn überwachen und sich auch in sein Hirn „einklinken“. Der Sündenböcke sucht, die er für Probleme in seinem Umfeld und für sein selbst empfundenes persönliches Scheitern verantwortlich machen kann. Im Internet hinterlässt er ein Video, in dem er krude Verschwörungstheorien verbreitet und davon spricht, dass ganze Völker „komplett vernichtet werden müssen“.

Tobias R., 43, der von Größenwahn und rassistischem Hass getriebene Attentäter von Hanau, entspricht in vielerlei Hinsicht dem Tätertypus des um Aufmerksamkeit heischenden, äußerlich unauffälligen rechtsradikalen Gewalttäters. Parallelen zu dem Attentäter von Halle, der im Oktober erst versucht hatte, in eine voll besetzte Synagoge einzudringen, und dann zwei Menschen erschoss, sind offensichtlich.

Für die Sicherheitsbehörden sind Attentäter wie sie, die sich nicht mit bekannten Rechtsextremisten treffen oder an Kundgebungen teilnehmen, schwer ausfindig zu machen. Allerdings – glaubt man den Aussagen von Tobias R. – könnte es Warnsignale gegeben haben. In einem von ihm aufgezeichneten Video, das mit den Worten „Das, was bleibt, ist das Volk“ endet, berichtet er von mehreren Besuchen bei der Polizei. Angeblich versuchte er 2002 vergeblich, Anzeige zu erstatten, da er sich illegal überwacht fühlte. Im Herbst 2004 und im Jahr 2019 habe er es erneut versucht – wieder ohne Erfolg.

Doch hier enden die merkwürdigen Theorien nicht. Der Mann aus Hanau glaubte auch, dass manche Hollywood-Filme nur entstanden seien, weil er dafür „unwissentlich die Grundidee geliefert“ habe. Auch hinter dem Ausscheiden der deutschen Nationalelf bei der Fußball-EM 2004 witterte er eine Verschwörung. Dass jemand Wahnvorstellungen hat, ist nicht unbedingt ein Fall für die Polizei. Wenn so jemand eine Waffenbesitzkarte hat, ist aber zumindest Vorsicht geboten. Vor allem, da die merkwürdigen Verschwörungstheorien, denen der Täter anhing stark an die Ideologie von „Reichsbürgern“ erinnert, die Deutschland als Staat infrage stellen und von der „Firma BRD“ sprechen.

Der Hanauer Täter soll noch bei seinen Eltern in einem beschaulichen Reihenhaus gelebt haben. Er war beim Main-Kinzig-Kreis als Sportschütze gemeldet. Er beantragte vor einigen Jahren eine Waffenbesitzkarte, auf der drei Waffen eingetragen waren. Diese wurde ihm auch ausgestellt. Er war Mitglied im Schützenclub Diana Bergen Enkheim.

Tobias R., der zeitweilig auch in Oberbayern lebte, will mit seiner Tat, so sagt er selbst, Aufmerksamkeit erzwingen. In seinem Video kündigt er das Blutbad zwar nicht an. Er macht jedoch deutlich, dass er erwartet, bald zu sterben. Und er sagt, „aus all diesen Gründen blieb mir nichts anderes übrig, als so zu handeln, wie ich es getan habe, um die notwendige Aufmerksamkeit zu erlangen“. Wenige Stunden nach der Tat ist seine Website, auf der er das Video eingestellt hatte, gesperrt.

A. CLASMANN & M. BIELESCH

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