BMW schickt 150 Mitarbeiter nach Hause

von Redaktion

Die Corona-Krise verschärft sich weiter. Gestern hat die Infektionswelle BMW erreicht. Ein Mitarbeiter liegt im Krankenhaus, 150 Kollegen sind vorsorglich nach Hause geschickt und ihre Büros gesperrt worden. Auch beim TV-Konzern ProSiebenSat1 in Unterföhring herrscht Alarmstufe Rot.

VON CINDY BODEN UND ANDREAS BEEZ

München – Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Münchner Großunternehmen von der Corona-Krise erwischt wird – gestern meldete BMW den ersten bestätigten Infektions-Fall: Ein Mitarbeiter, der im Forschungs- und Informationszentrum (FIZ) an der Knorrstraße/Schleißheimer Straße arbeitet, hat sich angesteckt. Er liegt seit dem Wochenende im Krankenhaus, es geht ihm aber laut BMW den „Umständen entsprechend gut“.

Der Konzern schickte alle Kollegen, die in Kontakt mit ihm standen, vorsorglich ins Home-Office. Sie sollen jetzt 14 Tage dem Betrieb fernbleiben. Solange dauert laut Experten die Inkubationszeit – also die Zeitspanne zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome.

Wie BMW-Sprecherin Almut Stollberg auf Anfrage mitteilte, sind etwa 150 Mitarbeiter von der Vorsichtsmaßnahme betroffen. „Die Räumlichkeiten wurden gesperrt und desinfiziert“, so Stollberg weiter. Allein im BMW-Stammwerk in München arbeiten etwa 7800 Mitarbeiter.

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat seinen Hauptsitz in Unterföhring im Landkreis München. Auch dort wurden gestern 200 Mitarbeiter angewiesen, für zwei Wochen von zu Hause aus zu arbeiten. Es soll sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handeln. Hintergrund ist offenbar der Besuch eines Mitarbeiters aus Düsseldorf, der zuvor geschäftliche Kontakte nach Italien gepflegt hat. Dieser Mitarbeiter soll zu einer Besprechung in Unterföhring gewesen sein. Aus Sicherheitsgründen haben nun offenbar alle Kollegen, mit denen er Kontakt hatte oder im selben Gebäudetrakt arbeiten, vorübergehend ihre Büros geräumt. Einen bestätigten Corona-Fall gibt es allerdings nach ersten Erkenntnissen nicht.

Viele Firmen in der Region bilden mittlerweile Arbeitsgruppen, welche die tägliche Lage bewerten und Maßnahmen anordnen können. In den Büros des Versicherungskonzerns Allianz gelten erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Arbeitsplätze sollen zum Desinfizieren geräumt werden. Mitarbeiter werden angehalten, häufig Hände zu waschen. Auch für Großveranstaltungen gibt es Richtlinien: „Wenn Personen aus betroffenen Regionen kommen, wird die Veranstaltung abgesagt, verschoben oder virtualisiert“, sagte eine Sprecherin. Mitarbeiter, die in gefährdeten Regionen unterwegs waren, sollen 14 Tage zuhause bleiben.

Siemens empfiehlt laut einer Sprecherin seinen Mitarbeitern dringend, nicht in stark betroffene Länder wie China, Italien, Südkorea oder Japan zu reisen. Termine sollen über Video- oder Telefonkonferenzen wahrgenommen werden. „Im Fall von China hat das sehr gut geklappt“, sagte eine Sprecherin mit Blick auf frühere Maßnahmen für die bis heute am stärksten betroffene chinesische Provinz Hubei.

Auch Wacker Chemie untersagt Dienstreisen in einige Länder. Sollten Mitarbeiter privat in betroffenen Regionen unterwegs gewesen sein, müssen sie nach Angaben eines Sprechers einen kurzen Fragebogen ausfüllen. Darin wird abgefragt, ob sie in einer betroffenen Region waren, Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten und ob sie gesundheitliche Probleme haben. Wenn ja, sollen sich Mitarbeiter an den werkärztlichen Dienst wenden.

Sollte es im Ernstfall zu einer Standortschließung kommen, müssen Unternehmen eng mit Behörden zusammenarbeiten. So geschah es auch bei dem Maschinenhersteller DMG Mori, dessen Standort in Pfronten im Landkreis Ostallgäu bis mindestens einschließlich Dienstag geschlossen bleibt. Dort war ein 36-Jähriger erkrankt, der sich vermutlich bei einer Reise infizierte. Rund 1600 Mitarbeiter sind betroffen.

Bei dem Zahlungsdienstleister Wirecard in Aschheim im Kreis München ist ebenfalls ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden und befindet sich im Krankenhaus in medizinischer Behandlung. Kontaktpersonen sollen bis auf Weiteres zuhause bleiben.

Bei der Gesellschaft für Handwerksmessen in München liefen die Vorbereitungen für die am 11. März beginnende Internationale Handwerksmesse auf Hochtouren. Ein knappes Dutzend Aussteller habe bisher abgesagt, berichtete eine Sprecherin gestern. „Wir rechnen auch mit einem starken Besucherrückgang.“ Gestern Abend dann die Hiobsbotschaft: die Handwerksmesse wird wegen der Ausbreitung des Virus abgesagt. Das teilten die Veranstalter in München mit.

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