Dorfen – Die Angst vor dem neuartigen Virus hat das Gymnasium Dorfen erreicht. Schulleiter Markus Höß bestätigt Informationen unserer Zeitung, denen zufolge eine gesamte zehnte Klasse mit Lehrern noch bis Freitag dieser Woche zu Hause in Quarantäne bleiben muss. Laut dem Schulleiter hielten sich die Schüler bis 21. Februar in Bologna auf. „Die Region gilt erst seit Montagmorgen als Risikogebiet“, sagt Höß, der sich gleich nach Ferienende mit dem Kultusministerium in Verbindung gesetzt hat. Er ist froh, „dass bisher weder Schüler noch Lehrer Krankheitsmerkmale aufweisen“. Die Quarantäne sei eine „reine Vorsichtsmaßnahme“.
In Bayern gibt es sechs neue bestätigte Vorona-Fälle. Betroffen seien fünf Menschen aus dem oberbayerischen Landkreis Freising und ein Mensch aus München, teilte das Gesundheitsministerium gestern Abend unter Berufung auf das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in München mit. Die Fälle im Landkreis Freising stünden im Zusammenhang mit dem Ehemann einer Erzieherin, der ebenfalls positiv auf den Erreger getestet wurde. Mit den sechs neuen Fällen gibt es seit Donnerstag vergangener Woche insgesamt 21 neue bestätigte Coronavirus-Fälle in Bayern.
Im Laufe des Montags hatte das Gesundheitsministerium schon sieben neue Fälle bestätigt. Es handelt sich um zwei Fälle im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, zwei Fälle in München und je einen im mittelfränkischen Schwabach, im Landkreis Freising und im Landkreis Ostallgäu.
Damit sind bislang in Bayern insgesamt 34 Patienten positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Bei 14 Patienten ist die Erkrankung auskuriert, alle sind wieder aus den Krankenhäusern entlassen worden. Sie standen im Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto aus Gauting-Stockdorf.
Um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, mahnte das bayerische Kultusministerium nach den Faschingsferien, Schüler, die in Risikogebieten – dazu gehören neben China und Iran auch Teile Norditaliens – im Urlaub waren, sollten unnötige Kontakte vermeiden und möglichst zuhause bleiben. Wie viele Schüler tatsächlich nicht zum Unterricht kamen, war zunächst unklar. „Wir machen uns gerade ein Bild“, sagte ein Ministeriumssprecher. Im Landkreis und Stadt Dachau wurden beispielsweise 34 von 15 000 Schulkindern von ihren Eltern krankgemeldet. Außerdem sind elf von 1500 Lehrern vorsorglich nicht zum Dienst erschienen.
In Zolling im Landkreis Freising bleibt eine Kita für mindestens eine Woche geschlossen. Laut Landratsamt Freising wurde der Ehemann einer Erzieherin in der Kita „Kleine Strolche“ positiv auf den Erreger getestet. Vielerorts in Oberbayern kommt es weiter zu Hamsterkäufen. Fertiggerichte, Nudeln und Reis werden vor allem gekauft. „Seit 24 Jahren arbeite ich im Einzelhandel, aber solche Großeinkäufe habe ich noch nicht erlebt“, sagte Andreas Schäfer, stellvertretender Marktleiter von Edeka Peschel in Ebersberg. In dem Landkreis gibt es einen Corona-Fall: Bei einem Geschäftsmann wurde das Virus nachgewiesen. Laut Landratsamt haben sich keine Personen aus dem Umfeld des 52-Jährigen angesteckt. Die 40 getesteten Personen müssten trotzdem in Quarantäne.
Auch bei der Bahn will man vorbereitet sein. Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel sagte gestern: Alle Zugbegleiter in Fern- und Regionalzügen haben einen Leitfaden bekommen, auch Schutzausrüstung (Atemschutzmaske) sei an Bord. Gebe es einen Fahrgast mit Corona-Verdacht, dann gelte dasselbe Prozedere wie bei sonstigen Notfällen: Der Zug halte am nächsten Bahnhof, Rettungskräfte kümmerten sich um den Fahrgast. Er warne aber „vor Hysterie“, sagte der Bahnchef. ham/zip/dw/mw