Corona: Das ist die Lage in Oberbayern

von Redaktion

Flughafen, Passion, Starkbierfeste: Unsere Redaktionen berichten über die Auswirkungen

Stadt München

In München gibt es 26 bestätigte Corona-Fälle. „Es werden aber wohl noch rasch mehr werden“, sagt OB Dieter Reiter (SPD). Er mahnt, nicht in Panik zu verfallen. „Dazu besteht kein Grund.“ Er appelliert an Freistaat und Bundesregierung: Zum einen müsse sichergestellt sein, dass die Kliniken mit Schutzkleidung versorgt seien. „Derzeit haben wir noch ausreichend. Aber es braucht mehr.“ Zum anderen sieht er auch die medizinischen Einrichtungen des Freistaats in der Pflicht, Betten zur Verfügung zu stellen. Bislang stünden diese lediglich bei den städtischen Kliniken bereit.

Landkreis München

Der Landkreis München verzeichnet unter seinen Bürgern bisher drei bestätigte Infektionen: ein Vater und seine Tochter sowie ein Kind, das in Gräfelfing einen Kindergarten besucht. Dieser ist noch bis 16. März geschlossen. Auch das Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching blieb wegen einer infizierten Schülerin seit Donnerstag zu; ebenso zwei Sportzentren. Diverse Veranstaltungen in der Gemeinde sind gestrichen. Das Landratsamt hat seine große regionale Ausbildungsmesse in Unterschleißheim vorerst abgesagt.

Miesbach

Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Personen im Landkreis Miesbach hat sich seit Donnerstag verdoppelt – allerdings auf niedrigem Niveau. Am Freitagnachmittag bestätigte das Gesundheitsamt zwei weitere Infektionsfälle. Alle stammen aus der zwölfköpfigen Reisegruppe aus dem Norden des Landkreises, die in Südtirol beim Skifahren war. Ein Mann wird im Krankenhaus Agatharied behandelt, alle anderen Infizierten und ihre Kontaktpersonen befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Starnberg

Im Landkreis Starnberg ist am Mittag die erste Schule geschlossen worden. Weil sich ein Kind aus dem Gymnasium Tutzing infiziert habe, hätten Gesundheitsamt und Schulleitung entschieden, die Schule und auch die Mittagsbetreuung bis einschließlich 16. März geschlossen zu halten, teilt das Landratsamt mit. Das Kind war mit seinen Eltern in den Faschingsferien in Südtirol, auch beim Vater wurde das Coronavirus festgestellt. Zuvor war das Virus bei zwei Männern (40, 45) aus dem Landkreis festgestellt worden. Einer von ihnen war in den Faschingsferien mit etwa 55 Jugendfußballern zum Trainingslager in Misano in der italienischen Region Emilia-Romagna. Für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen bot das Kreisgesundheitsamt am Freitag extra einen Termin an, um sich auf das Virus testen zu lassen.

Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim wird derzeit eine Person aufgrund einer Infektion behandelt. Der 55-Jährige hatte sich beim Skifahren in Südtirol infiziert und ist im Krankenhaus untergebracht. Dem Mann gehe es aber gut, wie Wolfgang Hierl, Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamts, erklärt. Mehrere Veranstaltungen wie Berufsinformationstage oder eine große Landmaschinenmesse sind abgesagt. Stattfinden wird hingegen – nach derzeitigem Stand – das Rosenheimer Starkbierfest. Und dies, obwohl das Gesundheitsamt zu einer Absage geraten hatte.

Weilheim-Schongau

Im Kreis Weilheim-Schongau gibt es einen bestätigten Fall. Der um die 80 Jahre alte Mann liegt isoliert im Weilheimer Krankenhaus. Weil man zunächst davon ausging, dass es sich um einen Grippe-Patienten handelte, stehen nun elf Klinikmitarbeiter unter Quarantäne. Auch in diesem Kreis wurden diverse Veranstaltungen abgesagt: die für März geplante Job-Messe in der Weilheimer Stadthalle sowie die Auto- und Motorradausstellung im April in der Kreisstadt.

Mühldorf

Noch ist der Landkreis Mühldorf ohne Corona-Verdachtsfall. Trotzdem sorgt das Virus für Diskussionen. „Wir haben keine Desinfektionsmittel und auch keine Mundmasken mehr“, sagt Apotheker Anton Locker, der die Hysterie nicht nachvollziehen kann. Die Menschen im Landkreis legen sich Vorräte an. „Zur Zeit haben wir aber keine Engpässe und können unsere Regale füllen“, beruhigt Josef Wimmer, geschäftsführender Gesellschafter von 16 Edeka-Märkten in der Region.

Dachau

Im Landkreis Dachau gibt es weiterhin keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Über die Zahl der Kontakt- und Verdachtspersonen will das Landratsamt auf Nachfrage aber keine Auskunft geben. Die FOS Karlsfeld, die am Freitag wegen eines positiv getesteten Mädchens aus München den Unterricht ausfallen ließ, will am Sonntagnachmittag entscheiden, ob sie am Montag wieder öffnet.

Erding und Flughafen

In Erding selbst hat sich erst ein Bürger angesteckt – ein Familienvater aus Dorfen. Seine Frau und Kinder konnten am Freitag aufatmen: Sie wurden negativ getestet, werden aber weiterhin vom Gesundheitsamt betreut. Alle waren am Gardasee gewesen.

Der Lufthansa-Konzern berichtet von „drastischen Buchungsrückgängen“, das Flugangebot ab und nach München wird stark reduziert, in den nächsten Wochen um bis zu 50 Prozent. Es gilt ein sofortiger Einstellungsstopp. Darüber hinaus soll die gesamte A380-Flotte „temporär außer Dienst gestellt“ werden, so das Unternehmen am Freitagabend. In München sind derzeit fünf A 380 stationiert, in Frankfurt neun. Eigentlich sollten im Sommer zwei der Riesenflieger vom Main ins Erdinger Moos wechseln. Dieser Plan ist wohl hinfällig.

Traunstein

Das Landratsamt meldet derzeit keinen Fall, die Behörden haben auch noch keine Veranstaltung verboten. Die Entscheidung liege bei den Veranstaltern. Das Starkbierfest, ausgerichtet vom Hofbräuhaus Traunstein, fand statt. Gestrichen wurde der Jahresempfang der Wirtschaftsverbände, ausgerichtet vom Gewerbeverband. „Viele Unternehmen haben internationalen Kontakt“, sagt Geschäftsführer Jürgen Piperhoff. „Wir wollen keine künstliche Plattform für Viren schaffen.“

Ebersberg

Im Kreis Ebersberg wurden drei weitere Infektionen gemeldet, insgesamt nun vier. Beim ersten Betroffenen handelt sich um einen Geschäftsmann (52) mit beruflichen Kontakten nach Italien. Er hatte keinerlei Symptome und sich rein vorsorglich untersuchen lassen. Laut Behörden gibt es keinen Zusammenhang zwischen den vier Infizierten. Zwei der neuen Fälle haben sich über Kontakte in München infiziert, einer beim Karneval in NRW.

Fürstenfeldbruck

Im Kreis Fürstenfeldbruck befinden sich derzeit vier Personen vorsichtshalber in häuslicher Quarantäne. In den Supermärkten kommt es weiter zu Hamsterkäufen von haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Landrat Thomas Karmasin erklärt, übertriebene Vorratskäufe seien unnötig. In Fällen von Quarantäne würden Bürger von Behörden oder sozialen Organisationen versorgt. Karmasin: „Entspannen Sie sich.“

Garmisch-Partenkirchen

Auf ein Pestgelübde von 1633 gehen die Oberammergauer Passionsspiele zurück, die in diesem Jahr zum 42. Mal stattfinden (Premiere 16. Mai) und zu denen rund 500 000 Besucher aus aller Welt erwartet werden. Der bisherige Ticket- und Arrangementverkauf lässt derzeit auf eine Auslastung von 95 Prozent schließen. Die Entwicklung des Coronavirus hat bislang zu keinen negativen Auswirkungen geführt. Werkleiter Walter Rutz: „Wir haben keine Stornierungen, auch die Proben von Christian Stückl laufen ganz normal weiter.“ Eine Absage der Passionsspiele würde laut Rutz für das Dorf „einer absoluten Katastrophe und einem Mega-Gau“ gleichkommen. Doch Oberammergau hat vorgebaut – mit einer Ausfallversicherung bis zu 24 Millionen Euro. Für die Vorbereitung des Gelübdespiels hat der Ort bisher 15 Millionen Euro ausgegeben.

Freising

Jetzt hat es auch die erste Schule im mit 20 Fällen stark betroffenen Landkreis Freising erwischt. Neben einer Schule sind auch zwei Kindergärten in Marzling und in Nandlstadt geschlossen. Startklar sind hingegen wieder die „Kleinen Strolche“. Der Kindergarten in Zolling war geschlossen worden, da die Ehefrau des Erstinfizierten dort tätig ist.

Bad Tölz-Wolfratshausen

Noch keine bestätigte Infektion gab es bis Redaktionsschluss im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Doch um der Ausbreitung des Virus nicht Vorschub zu leisten, wurden am Freitag mehrere Großveranstaltungen abgesagt, darunter das Josefifest der Genossenschaftsbrauerei Reutberg in Sachsenkam. „Das tut mir im Herzen weh“, sagte Landrat Josef Niedermaier. Ebenfalls abgeblasen ist das „Electric Winter Festival“ mit Dr. Motte und anderen bekannten DJs am Brauneck.

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