Stimmen für einen Toten

von Redaktion

Die Kommunalwahl am Sonntag bringt allerlei Randnotizen mit sich, sogar ein Verstorbener steht zur Wahl

Der jüngste Kandidat

Bayerns jüngster Gemeinderatskandidat tritt für die CSU in Alling im Kreis Fürstenfeldbruck an. Jakob Kiemer aus dem Ortsteil Holzkirchen wurde genau eine Woche vor der Kommunalwahl 18 Jahre alt. Kiemer macht eine Ausbildung als Klima-Kältetechniker und kandidiert auf Platz zehn der CSU-Liste. Kiemer will etwas „Gescheites“ für seinen Ort erreichen.  st

Reine Frauensache

Vier Bürgermeisterkandidatinnen ohne männliche Konkurrenz gibt es heuer in Icking im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Laura von Beckrath-Leismüller (Grüne), Beatrice Wagner (SPD), Cornelia Zechmeister (Parteifreie Wählerschaft Icking) und Verena Reithmann (Unabhängige Bürgerliste Icking) möchten die ehemalige Bürgermeisterin Margit Menrad ablösen. Warum in der 3800-Seelen-Gemeinde kein einziger männlicher Bewerber antritt, ist bis heute ungelöst. kof

Geschwisterkandidatur

Die SPD-Anhänger in Otterfing und Valley haben die selbe Wahl: Falkenhahn. In den Nachbargemeinden im Kreis Miesbach tritt bei der Bürgermeisterwahl mit Michael (52, Otterfing) und Angela Falkenhahn (55, Valley) ein Geschwisterpaar an. Beide bekommen es mit zwei Konkurrenten (CSU und Freie Wähler) zu tun, in beiden Fällen scheidet der Amtsinhaber aus. dak

Doppelte Freie Wähler

Für den Kreistag und in ein paar Gemeinden im Landkreis Miesbach treten zwei Freie-Wähler-Listen an. Die einen (Freie Wähler) stehen der Partei mit Chef Hubert Aiwanger nah, die anderen (Freie Wähler Gemeinschaft) – mit den bislang im Landkreis etablierten Politikern – konzentrieren sich auf die Kommunalpolitik. Nun ist es aber nicht so, dass dem Wähler das Unterscheiden leicht gemacht wird. Zum Beispiel in Otterfing und Holzkirchen nennt sich die Gemeinderatsliste FWG, die selben Leute stehen bei der Kreistagswahl aber auf der FW-Liste. Die Aufspaltung fand unter lautem Getöse im Herbst statt.  dak

Kurioses Wahlgesetz

Im unterfränkischen Gemünden steht ein Toter zur Wahl. Der am 7. Februar mit 61 gestorbene Stadtrat Stefan Koberstein von der Freien Wählergemeinschaft wird bei der Stadtrats- und Kreistagswahl auf dem Wahlzettel stehen. Grund ist das Wahlgesetz. Danach bleibt ein Kandidat auf dem Stimmzettel, wenn er innerhalb von 40 Tagen vor der Wahl stirbt. Für Koberstein abgegebene Stimmen kommen den anderen Kandidaten der Liste entsprechend ihrer Rangfolge zugute. Verstirbt ein Bürgermeister- oder Landratskandidat, gilt das nicht, weil es sich um eine reine Persönlichkeitswahl handelt. Bis 40 Tage vor dem Wahltag muss dann ein neuer Kandidat nachnominiert werden oder die Wahl wird verschoben.  dpa

Die Dienstältesten

Marianne Krohnen, 68, CSU, ist seit 1984 Bürgermeisterin im unterfränkischen Geiselbach im Landkreis Aschaffenburg. Damit ist die dreifache Mutter und fünffache Oma die dienstälteste Bürgermeisterin in Bayern. Heuer will sie ihre 7. Amtszeit antreten. Hermann Anselstetter, 73, SPD, aus Wirsberg (Landkreis Kulmbach) ist dienstältester Bürgermeister. Er wurde 1978 erstmals gewählt.  dpa

Hans Söllner

Er trat für die Legalisierung von Marihuana ein und legte sich immer wieder mit der CSU an. In Bad Reichenhall bewirbt sich der für seine politik- und gesellschaftskritischen Texte bekannte Liedermacher Hans Söllner für das Amt des Oberbürgermeisters. „Ich mache was, weil ich glaube, dass ich was ändern kann, und weil ich glaube, dass man mit den Leuten anders auch arbeiten kann als über Gesetze, über Verpflichtungen“, begründet der 64-Jährige sein Interesse.  dpa

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