So verrät sich eine Corona-Infektion

von Redaktion

Der Hals kratzt, die Nase läuft, die Wangen glühen: „Habe ich jetzt auch dieses neue Coronavirus?“ Eine Frage, die sich gerade viele Menschen stellen, die solche Beschwerden haben. Doch wann ist der Verdacht begründet? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

VON ANDREA EPPNER

München – Erst waren es nur Einzelfälle. Doch seit die Zahl der Menschen, die sich hierzulande mit „Sars-CoV-2“ angesteckt haben, in die Tausende geht, ist klar: Das Virus ist mitten unter uns. Denn mit der Zahl der Coronapatienten steigt auch die Wahrscheinlichkeit, im Alltag mit Infizierten in Kontakt zu kommen – zumal ein Teil der Betroffenen keine und viele nur leichte Beschwerden haben. Zudem lassen sich Infektionsketten auch in Deutschland immer öfter nicht mehr nachvollziehen – was Sie jetzt wissen müssen.

Nur eine Erkältung, eine Grippe oder Covid-19 – wie erkennt man das?

Allein anhand der Symptome können das selbst Ärzte nicht immer unterscheiden. Sicher möglich ist das nur durch einen Test. Erfahrungen aus China und Daten Infizierter in Deutschland erlauben es aber inzwischen, besser einzuschätzen, wann Symptome eher auf eine harmlose Erkältung, eine echte Grippe oder Covid-19 hindeuten. Von mehr als 50 000 Infizierten aus der am stärksten betroffenen Provinz Hubei in China litten 88 Prozent an Fieber, 68 Prozent hatten trockenen Husten. Weitere 38 Prozent klagten über Erschöpfung, ein Drittel über Auswurf. Bei knapp einem von fünf kam es zu Atemproblemen, bei 14 Prozent zu Halsschmerzen. Das deckt sich aber nur zum Teil mit den Daten, die man von Infizierten in Deutschland sammeln konnte.

Welche Beschwerden dominieren hierzulande bei Covid-19-Patienten?

Husten und Fieber sind zwar auch bei uns die häufigsten Symptome. Einer Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin zufolge, die Daten von knapp 2500 Infizierten umfasst, trat Fieber aber zu Beginn der Erkrankung deutlich seltener auf – bei „nur“ 39 Prozent der Patienten. Allerdings kann Fieber auch erst im späteren Verlauf noch dazukommen. Am weitaus häufigsten klagten Infizierte zu Beginn jedoch über Husten: Dieses Symptom gaben hierzulande 57 Prozent an. Anders als in China litt zudem fast jeder dritte Infizierte (31 Prozent) an Schnupfen. Hinzu kamen teils allgemeine Symptome wie Kopf-, Hals-, Muskel- und Gelenkschmerzen, seltener auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei etwa fünf von hundert Infizierten lag keines der typischen Symptome vor. Auch schwere Verläufe und Todesfälle sind derzeit noch relativ selten.

Wie kommt es zu diesen Unterschieden?

In China sind wohl viele Fälle nicht erfasst worden, was das Ergebnis verzerrt. Zudem ist das mittlere Alter der Infizierten nicht überall gleich – was Unterschiede im Verlauf erklären könnte. So lag das durchschnittliche Erkrankungsalter in China bei 51 Jahren, hierzulande zum Zeitpunkt der RKI-Auswertung aber bei 46 Jahren. In Italien, wo die Sterberaten bei mehr als fünf Prozent liegen, ist das Durchschnittsalter der Infizierten mit 64 Jahren höher.

Warum testet man nicht jeden mit Symptomen?

„Alle Menschen mit Symptomen zu testen, würde vermutlich die Kapazitäten überfordern“, erklärte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher gestern auf Anfrage unserer Zeitung. „Dann fehlen die Tests bei den begründeten Verdachtsfällen.“ Ein solcher begründeter Verdacht liegt vor, wenn jemand innerhalb der vergangenen zwei Wochen Kontakt zu einem Infizierten hatte sowie bei Menschen, die Beschwerden entwickeln, nachdem sie in einem Gebiet waren, in dem es bereits zu vielen Covid-19-Fällen gekommen ist. Ein Test kann laut RKI-Seite auch sinnvoll sein, wenn eine bestehende Atemwegserkrankung schlimmer wird, ein Patient also Atemnot oder hohes Fieber bekommt. Wer unsicher ist, ob er betroffen ist, sollte nicht gleich zum Arzt gehen, sondern diesen für eine Einschätzung anrufen. Er kann sich auch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116 117 wenden, sollte aber sehr viel Geduld mitbringen.

Wie lange hält sich das Virus in der Luft?

Dem RKI zufolge verbreitet sich das Virus in erster Linie per Tröpfcheninfektion: Infizierte verbreiten also winzige, virushaltige Tröpfchen zum Beispiel beim Husten. Doch wie lange halten sich diese in der Luft? Dem „Deutschen Ärzteblatt“ zufolge haben Forscher des US-National Institutes of Health genau das in einem Hochsicherheitslabor mit Experimenten untersucht. Demnach halten sich die Viren relativ lang in der Luft: Die Konzentration der Erreger hatte sich erst nach 2,74 Stunden halbiert. Die Forscher untersuchten auch, wie lange die Viren auf verschiedenen Oberflächen aktiv, also infektiös bleiben. Das Ergebnis: Die Zahl infektiöser Erreger halbierte sich auf Kupferoberflächen nach 3,4, auf Pappe nach 8,45, auf Edelstahl nach 13,1 und auf Plastik nach 15,9 Stunden. Allerdings gelten diese Zahlen für die Bedingungen, die für den Test im Labor gewählt wurden. Da noch unklar ist, wie viele aktive Viren für eine Infektion nötig sind, lässt sich das Übertragungsrisiko davon nicht so einfach ableiten.

Wie kann man sich selbst schützen?

Auch für den Fall, dass sich ein Infizierter unerkannt im gleichen Raum aufhält: Die Viruskonzentration in der Luft lässt sich senken, wenn man öfter lüftet. Inzwischen herumgesprochen hat sich wohl auch, dass man in die Armbeuge oder in ein Einmaltaschentuch husten oder niesen – und sich dabei wegdrehen sollte. Wer eineinhalb oder besser zwei Meter Abstand zu anderen hält, reduziert ebenfalls sein Risiko. Entscheidend ist auch der Faktor Zeit: Je länger man in engem Kontakt mit potenziell Infizierten ist, desto eher schaffen Viren den Sprung. Um eine Schmierinfektion zu verhindern, sollte man auf Händeschütteln verzichten und sich häufiger als sonst die Hände waschen – und das gründlich, mit Seife und mindestens 30 Sekunden lang. Besonders wichtig ist das, nachdem man in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, nach dem Heimkommen und vor dem Essen.

Wie schützt man sich bei erhöhtem Risiko?

Ältere (siehe Grafik), aber auch Menschen mit Vorerkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Betroffene sollten Kontakte zu anderen Personen reduzieren, „wo immer es möglich ist“, rät Prof. Gérard Krause, Leiter der Abteilung für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Er empfiehlt Gesunden einen Mundschutz zu tragen, wenn sie Hochrisikopatienten besuchen. Zuvor sollten sie sich 30 Sekunden die Hände desinfizieren oder gründlich mit Wasser und Seife waschen. Mehr Infos: www.rki.de.

Artikel 2 von 4