„Der Bedarf an Unterstützung wird steigen“

von Redaktion

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner will die vielen Hilfsangebote vernetzen, denn noch laufen sie oft ins Leere

München – „Unser Soziales Bayern: Wir helfen zusammen!“ heißt die Kampagne, mit der das bayerische Sozialministerium die vielen Hilfsangebote in der Coronakrise besser vernetzen will. Sozialministerin Carolina Trautner erklärt, worum es geht.

Erklären Sie uns die Kampagne im Kern.

Ich habe die Kommunalen Spitzenverbände und die Wohlfahrtsverbände angeschrieben. Jede Kommune kann einen Ansprechpartner benennen, der die Angebote vor Ort vernetzt und koordiniert. Wer das ist, das muss die Kommune bestimmen.

Die Kampagne soll also alle Hilfen, auch die vielen privaten, vernetzen …

Genau. Vor Ort muss jemand den Hut aufhaben, damit alles gesammelt wird und jeder vom anderen erfährt. Das muss jede Gemeinde für sich machen, dort weiß man am besten, welche Personen man im Blick haben muss. Also viele kleine Netzwerke, die wir begleiten wollen. Wir werden die Landkreise und kreisfreien Städte mit einer Geldpauschale ausstatten. Der genaue Betrag ist in Abstimmung.

Eine zentrale Nummer wird es also nicht geben.

Es wird keine zentrale bayernweite Nummer geben. Wir sagen, die Kommune muss der zentrale Ansprechpartner sein. Das muss auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten sein. In kleineren Gemeinden ruft man dann eher im Rathaus an, in größeren übernehmen das womöglich die Landratsämter, aber auch die Freiwilligen-Agenturen.

Viele Privatpersonen bieten schon Hilfen an. Sie unterstützen das …

Ja, sehr. Die Kampagne soll auch bewirken, dass wir noch mehr Freiwillige finden, die bereit sind, mitzuhelfen.

Viele Helfer berichten, dass sie bisher keine Hilfsbedürftigen finden.

Das ist ein Punkt, über den wir uns Gedanken gemacht haben. Wir glauben, dass die Senioren, die ja jetzt nicht mehr rausgehen sollen, vermehrt Zeitung lesen, Radio hören und fernsehen. Wir müssen die Senioren auch auf diesen Wegen auf die Hilfsangebote aufmerksam machen. Wir haben unter www.unser.soziales.bayern.de zudem eine Internetplattform gestartet, wo wir Tipps und Hinweise geben. Man kann als Helfer zum Beispiel einen Aushang drucken und an den Briefkasten hängen, damit die Senioren merken: Hier gibt es Hilfe. Ich glaube, dass viele Senioren jetzt erst merken, dass und wo sie Unterstützung brauchen. Der Bedarf wird steigen.

Wie schnell kann diese Vernetzung denn tatsächlich umgesetzt werden?

Ich habe große Hoffnung, dass es schnell geht. Wir haben auf Hochtouren alles vorbereitet. Die Gesellschaft muss jetzt zusammenhalten, sich unterhaken und überlegen, wie wir alle auffangen können, die schwächer sind. Ich glaube, die Bereitschaft ist so groß, dass das schnell auf den Weg kommen wird.

Worauf muss ich als privater Helfer mit Blick auf das Virus besonders achten?

Man muss die Hygienevorschriften einhalten, die ja bekannt sind. Das Wichtigste ist: kein direkter persönlicher Kontakt mit den Senioren. Lieber telefonieren, die Einkäufe vor die Türe stellen, damit sich beide Seiten optimal vor dem Virus schützen.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

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