„Da muss man doch pleite gehen“

von Redaktion

Optiker Dieter Funk hält die Soforthilfen für unzureichend und hat einen offenen Brief an Markus Söder geschrieben

Kinsau – Normalerweise ist Dieter Funk, 53, ein strukturierter Mann. Doch man merkt ihm am Telefon an, wie ihn die aktuelle Lage mitnimmt. „Es ist die pure Verzweiflung. Ich fühle mich allein gelassen.“ Vor wenigen Tagen schrieb er einen offenen Brief an die Staatsregierung und an diverse Verbände. Sein „Hilferuf eines Unternehmers, Optikers und Brillenmachers“ ging über zahlreiche soziale Kanäle und wurde hundertfach auf Facebook geteilt.

Funk führt eine Brillenmanufaktur, deren hochwertige Brillengestelle international gefragt sind. Dazu hat er Optikerläden in Berlin, München, Wien und Kinsau. Rund 50 Mitarbeiter, eine Produktion in Kinsau (Kreis Landsberg). Vor zwei Jahren investierte er in eine moderne Produktionsstätte: ein bayerischer Vorzeigebetrieb – bis die Coronakrise kam.

„Wir haben derzeit Einnahmen null, Ausgaben voll“, sagt der 53-Jährige. Die Soforthilfe der Bayrischen Staatsregierung schien wie ein Silberstreif am Horizont. „Eine tolle Sache, jedoch für Firmen mit knapp 50 Mitarbeitern nicht das richtige Instrument. Leider ist das bei Weitem nicht ausreichend“, sagt Funk. Bei Firmen mit 50 bis 250 Mitarbeitern gibt es bis zu 30 000 Euro. „Das reicht für die Personalkosten ein paar Tage.“

Funk kritisiert zudem, dass das Privatvermögen von Kleinstunternehmern aufgebraucht sein müsse, bevor Unterstützung zusteht: „Private Reserven sind dazu da, etwa die Heizöllieferung, das kaputte Dach, den Zahnersatz oder die Autoreparatur zu bezahlen.“ Auf diese Weise rutschten, so Funks Prophezeiung, viele kleine Selbstständige später in eine Privatinsolvenz.

Bei „Funk Eyewear“ wird derzeit die Produktion heruntergefahren. Vier Mitarbeiter sind noch in der Fertigung, der Optikladen ist geschlossen. Viele Kollegen haben Urlaub genommen oder bauen Überstunden ab. Im Haus wird nur Notversorgung nach Terminvereinbarung geleistet – Optiker gelten als systemrelevante Grundversorgung. Unter strengsten Hygienevorkehrungen bekommen Kunden Sehhilfe oder Reparaturen. In Funks Verwaltung wird jedoch noch emsig gearbeitet: unter anderem müssen sie die Kurzarbeit organisieren. „Den März stemme ich mit meinen Reserven noch, ab April brauche ich Hilfe, wie viele andere auch“, sagt Funk.

Funk fordert mehr Klarheit und Information. Er habe versucht, Finanzämter, Banken sowie die Agentur für Arbeit zu erreichen. Diese seien aber verständlicherweise komplett überlastet. Er konnte jedoch noch keine konkreten Angaben zur Vorgehensweise bei der Kurzarbeit von den Behörden erhalten. „Es pressiert aber jetzt.“ Es gäbe, so kritisiert Funk, auch keine Klarheit darüber, wann das Kurzarbeitergeld erstattet würde. Genauso bei den Steuerstundungen, die versprochen wurden: Trotz Hilfe des Steuerberaters seien die Bedingungen schwammig. Hier könne sich, fürchtet Funk, in kürzester Zeit ein weiterer Schuldenberg auftürmen. „Dies gilt es gerade jetzt zu vermeiden.“

Gerade die KfW-Kredite sieht der Unternehmer als wenig geeignete Hilfe: „Hier sind Zinssätze von ein bis sieben Prozent im Gespräch. Das kann ich in Zeiten von Minuszinsen nicht nachvollziehen. Wenn ich Investitionsdarlehen habe, soll ich die mit weiteren Krediten mit Zinsen bis sieben Prozent bedienen? Da muss man doch pleite gehen.“

Funk hofft, dass die Politik reagiert, indem sie bald konkrete Aussagen liefert. Und er mahnt: „Die Soforthilfe muss neu überdacht werden.“ Er sei gerne bereit zu kämpfen, gerade für seine Mitarbeiter. „Doch da brauche ich das nötige Werkzeug dazu.“

KLAUS MERGEL

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