München – Freitag und Samstag vor einer Woche war es am schlimmsten, sagt Daniel Schermelleh-Sandeck: „Wie normalerweise an einem Gründonnerstag.“ Er betreibt Edeka-Märkte in Karlsfeld und Bergkirchen im Kreis Dachau, in Allershausen im Kreis Freising und in Geisenfeld im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm. Überall stürmten an diesen beiden Tage die Kunden in die Märkte, um sich mit Toilettenpapier, Nudeln, Mehl und Co. einzudecken. Inzwischen habe sich die Situation wieder beruhigt. „Vereinzelt kaufen Kunden noch mehr Vorräte, aber Hamsterkäufe gibt es nicht mehr viele“, berichtet er.
Am Boden hat er unter anderem Markierungen angebracht und an den Kassen eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz. Einen Sicherheitsdienst braucht er nicht: „Die meisten Kunden passen auf, dass sie sich nicht zu nahe kommen und halten Abstand an der Kasse“, sagt er.
Auch in einem Großteil der anderen bayerischen Supermärkte ist keine Security im Einsatz, weiß Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern. „Das ist die absolute Ausnahme. Schlachten um die letzte Packung Nudeln gibt es nicht und die Securitys müssten ja auch bezahlt werden.“ Den Vorschlag, dass zu bestimmten Zeiten nur die besonders gefährdeten Senioren einkaufen dürfen, sieht er deshalb skeptisch. „Wie sollen wir das umsetzen?“, fragt er. „Dann müsste ja am Eingang jemand die Personalausweise kontrollieren.“ Derzeit gebe es noch in fast keinen Märkten in Bayern Zugangsbeschränkungen.
Ausgeschlossen ist das aber nicht. Wenn das Kundenaufkommen so hoch ist, dass es nicht mehr möglich ist, einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten, „kann es mancherorts zu Einlasskontrollen oder Einlassbeschränkungen kommen“, sagt Tobias Neuhaus, Sprecher von Aldi Süd. In einzelnen Filialen gebe es zudem eine Einkaufswagenpflicht. Der Wagen soll als natürliche Barriere sicherstellen, dass der Mindestabstand eingehalten wird. Auch in einigen Filialen der Drogeriemarktkette Rossmann sind Securitys im Einsatz, die dafür sorgen, dass die Warteschlangen nicht zu lang werden und bei Bedarf den Zutritt steuern. Ähnlich ist es bei den dm-Märkten: Es werde dafür Sorge getragen, „dass nicht zu viele Kunden gleichzeitig einkaufen, sondern gesteuert und in Intervallen unsere Märkte betreten“, sagt Martin Dallmeier, dm-Geschäftsführer und Regionsverantwortlicher. Das sei auch von den Behörden so vorgeschrieben. Bei Bedarf könne auch Sicherheitspersonal eingesetzt werden.
Andreas Krämer, Sprecher der Rewe-Gruppe, erklärt ebenfalls, bei starkem Kundenzulauf seien Zugangsbeschränkungen möglich. „Dies kann durch Einlasskontrollen oder die Beschränkung der Anzahl der Einkaufswagen beziehungsweise -körbe geschehen“, sagt er. Die Kunden würden über Aushänge und Plakate informiert. So steuerte zum Beispiel der Rewe am Partnachplatz in München am Mittwoch den Kundeneinlass.
Alle Einzelhandelsketten setzen in der Corona-Krise auf Information über Aushänge und Durchsagen. Und die Märkte ergreifen Schutzmaßnahmen. Lidl teilt zum Beispiel mit, dass am Eingang aller Märkte Kundenbetreuer stünden und dass die Einkaufswagengriffe regelmäßig desinfiziert würden. Auch bei den dm-Filialen wird der Kassenbereich mehrmals täglich desinfiziert. Zudem werden die Kunden gebeten, keine zuvor getesteten Kosmetikartikel wieder zurück ins Regal zu stellen. Bei Rossmann gibt es ebenfalls keine Tester mehr. Auch Wickeltische, Fototerminals, Kundentoiletten und Kaffeeautomaten stehen nicht zur Verfügung.
Aldi Süd programmiert gerade viele Pfandautomaten um. „Dadurch ist es nicht mehr nötig, für die Ausgabe des Pfandbons den Knopf am Automaten zu drücken“, sagt Sprecher Tobias Neuhaus. Der Bon kommt automatisch.
Edeka Südbayern hat seinen Einzelhändlern zu mehreren Vorsichtsmaßnahmen geraten: „Dazu gehören unter anderem Plexiglasvorrichtungen an den Kassen, Abstandsbodenaufkleber, Desinfektionsmittel und auf Wunsch Einweghandschuhe für die Mitarbeiter sowie zusätzliche Hygieneschulungen“, erklärt Edeka-Sprecherin Daniela Seifart.
Auf Bodenmarkierungen und Plexiglasscheiben setzen alle großen Supermärkte. Bei den Scheibenvorrichtungen gibt es bei einigen Händlern aber ein Problem, wie Bernd Ohlmann berichtet: „Viele Märkte finden keinen Monteur für die Scheiben.“ Denn auch die seien gerade sehr beschäftigt – genauso wie die Supermarktmitarbeiter. Derzeit ist die Produktnachfrage laut Ohlmann um 20 bis 30 Prozent höher als normal. Mit einem Rekordumsatzjahr rechnet er trotzdem nicht: „Wer jetzt viele Vorräte hat, kauft später weniger.“ Neben haltbaren Lagerartikeln seien auch frische Produkte begehrt. Edeka-Betreiber Daniel Schermelleh-Sandeck: „Die Leute versorgen sich selbst, weil die Restaurants geschlossen haben und sie seltener in die Kantine gehen.“ Unverpacktes wie Obst und Gemüse sei nach wie vor beliebt.
Und wie sieht es mit der Infektionsgefahr über Unverpacktes und Verpacktes aus? Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es noch keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen über den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln oder über den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Virus infiziert haben. Übertragungen über Oberflächen seien durch Schmierinfektionen zwar denkbar, aber nur für einen kurzen Zeitraum.
Trotzdem: „Wenn man Obst und Gemüse im Laden berührt, sollte man es natürlich auch kaufen und nicht wieder zurücklegen“, sagt Ohlmann. Die Händler plädieren zudem für bargeldloses Zahlen: „Früher zahlten 30 Prozent aller Kunden mit Karte, jetzt sind es über 50 Prozent“, sagt Ohlmann.
In den Supermärkten tritt insgesamt wieder etwas Normalität ein. „Aktuell normalisieren sich die Abverkäufe“, sagt Lidl-Sprecherin Melanie Pöter. Auch Aldi-Sprecher Tobias Neuhaus berichtet von einer „leichten Entspannung der Lage in den Filialen. In den Lagern ist ausreichend Toilettenpapier vorhanden, um die Nachfrage zu decken“, sagt er. Das betonen auch die anderen Ketten. Um Hamsterkäufe zu vermeiden, gibt es teilweise aber spezielle Regelungen. Bei Rossmann bekommt jeder Kunde nur eine Packung Toilettenpapier.
„Die Versorgung ist gesichert“, sagt Ohlmann. Nur bei Desinfektionsmitteln und Einweghandschuhen herrsche ein „Dauernotstand“: „Wir bräuchten zurzeit jeden Tag 5,4 Millionen Einweghandschuhe und 14 000 Liter Desinfektionsmittel.“