Bayerns neue Politik-Landkarte

von Redaktion

Die Krise als Stunde der Amtsinhaber? Stimmt, meistens. Die Details der Kommunalwahl zeigen aber: In vielen Städten punktete die CSU, wenn sie jüngere und weibliche Kandidaten aufstellte.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

München – Es klingt wie eine Geschichte aus früheren, sehr sorglosen Zeiten. Ist aber noch nicht mal ein halbes Jahr her. Auf dem letzten Parteitag stritt die CSU stundenlang über eine Frauenquote auf Kreisebene, über drei, vier oder fünf Stellvertreter und Extra-Posten für die Junge Union. Das meiste wurde in Bausch und Bogen abgelehnt. Inzwischen gibt’s keine Parteitage mehr, Versammlungsverbot, aber nach der Kommunalwahl wird das Thema aktueller denn je.

In vielen Orten haben sich Frauen und junge Kandidaten durchgesetzt. Augsburg: Eva Weber, 42. Nürnberg: Marcus König, 39. In Regensburg, wo noch bis heute ausgezählt wird und das Rennen CSU/SPD wohl sehr knapp ist, und München schafften es zwei jüngere CSU-Frauen zumindest in die Stichwahlen.

Bei der Frauen-Union addieren sie noch, knapp 90 Bürgermeisterinnen (bisher: 57) kommen aus der FU, 141 Damen kandidierten – Rekord. Aber nicht genug, sagt die Landesvorsitzende Ulrike Scharf: „Die CSU wird nur Volkspartei bleiben, wenn sie den Anteil an Frauen in Gremien und Mandaten erhöht.“ Bayernweit lag die Frauenquote parteiübergreifend bisher bei nur 7 Prozent (Landräte) und 9 Prozent (Bürgermeister). Dieser Anteil steigt.

Ähnlich bei den Jungen: Lichtenbergs Bürgermeister Kristan von Waldenfels, 19, gilt als Kuriosum. Die Gesamtzahl ist aber stark gestiegen. Die JU stellt nun drei Landräte und 58 Bürgermeister, darunter die früheren Landeschefs Hans Reichhart (37, Günzburg) und Katrin Albsteiger (36, OB Neu-Ulm).

Die CSU-Spitze wertete ihrer Ergebnisse am Montag bei einer Videokonferenz des Präsidiums aus. Insgesamt gibt es mehrere Trends bei dieser Kommunalwahl und den Stichwahlen. Die Amtsinhaber wurden gestärkt, allerdings nur dort, wo affärenfrei und streitarm gearbeitet wurde – in Ingolstadt und Kulmbach stürzten CSUler unerwartet. Ansonsten sagt Generalsekretär Markus Blume: „Das Konzept jünger/weiblicher hat sich ausgezahlt bei den großen Städten. Die Verjüngung hat uns gutgetan – weitermachen!“

Ein Wunder- und Allheilmittel sind junge Kandidaten allerdings nicht, heißt es in der CSU-Spitze. Vor allem bei den Landräten siegten erfahrene Amtsinhaber. Und einen ihrer strategisch wichtigsten Erfolge, nämlich die Rückeroberung des Landkreises Miesbach, holte Olaf von Löwis. Er ist nicht FU-Mitglied und steht im 66. Lebensjahr.

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