München – Matthias Fack kümmert sich seit zwei Wochen eigentlich nur noch um ein einziges Thema. Der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR) ist gleichzeitig Mitglied im Präsidium des Jugendherbergswerks und somit genau dort, wo es gerade richtig wehtut. Denn sowohl die vom BJR vertretenen Jugendbildungsstätten als auch die bayerischen Jugendherbergen geraten in der Corona-Krise in arge wirtschaftliche Nöte. Die Einrichtungen seien in Ferienzeiten eigentlich sehr gut ausgelastet, sagt Fack. „Derzeit muss aber alles geschlossen bleiben.“ Und weil niemand weiß, für wie lange noch, ist die Verunsicherung groß. Denn die Häuser sind auf ihre Einkünfte angewiesen. Rücklagen gibt es in der Regel nicht.
Ein Problem, mit dem gerade viele soziale Einrichtungen kämpfen. Die Ausgaben laufen weiter, doch in der Krise kommt kein Geld mehr rein – und die von der Politik gespannten Rettungsschirme greifen in ihren Fällen nicht. „Wenn das schon das professionell aufgestellte Jugendherbergswerk so hart trifft, dann kann man sich vorstellen, was es bedeutet, wenn der Träger ein kleiner Verein ist“, sagt Fack.
CSU-Politiker Thomas Huber hat deshalb einen Brief an die Staatsregierung geschrieben, der unserer Zeitung vorliegt. Der sozialpolitische Sprecher der Landtagsfraktion wendet sich darin an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und vier Minister. „Mich erreichen täglich ernste Hilferufe aus ganz unterschiedlichen Bereichen der sozialen Infrastruktur Bayerns – von den Frühförderstellen, von den Schullandheimen, den Jugendherbergen, den Jugendbildungsstätten, aus der Jugendhilfe und nicht zuletzt aus der Behindertenhilfe“, schreibt Huber. Es sei richtig, den bayerischen Unternehmern durch die Krise zu helfen. „Genauso sollten wir auch die soziale Infrastruktur in Bayern sichern, die wir über Jahre mühevoll aufgebaut haben“, schreibt Huber. Denn: „Diese Angebote müssten wir nachher mit unvergleichlich höherem Aufwand wieder neu einrichten.“ Huber bittet die Staatsregierung deshalb, einen Rettungsschirm für Bayerns soziale Infrastruktur einzurichten – „der in den wirklich existenzbedrohlichen Fällen Unterstützung leisten kann, die weder vom Sozialschutz-Paket des Bundes erfasst oder nicht durch andere Maßnahmen wie z. B. Kurzarbeit, vorrangige Leistungen von Kostenträgern abgewendet werden können“.
Im bayerischen Sozialministerium ist das Problem bereits aufgeschlagen. Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) schlägt vor, Jugendherbergen aufgrund ihrer Strukturen ähnlich wie Hotels zu behandeln. „Ich habe Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger deswegen gebeten zu prüfen, ob die Jugendherbergen wie Unternehmen zeitnah unbürokratische Hilfen aus dem Wirtschaftsministerium erhalten können“, sagt Trautner. Das Ministerium von Aiwanger (Freie Wähler) will die Unterstützung prüfen. Es wäre eine Erleichterung für 58 Jugendherbergen, 30 Schullandheime, 12 Jugendbildungsstätten und 11 Familienferienstätten.
Huber will mit seinem Rettungsschirm aber mehr abdecken. Besonders die Situation der Frühförderstellen für Kinder treibe ihn um, sagt der Landtagsabgeordnete aus Grafing (Kreis Ebersberg) auf Anfrage. Diese Einrichtungen seien mischfinanziert. Deshalb erhielten sie zwar von den zuständigen Bezirken weiter Geld, die Krankenkassen aber hätten ihren Teil der Zahlungen eingestellt. Huber hofft, dass sein Schreiben dabei helfen kann, die Kassen zu überzeugen, ihre Entscheidung zu überdenken. „Wenn Land, Bund, Kommunen und Bezirke bereit sind zu helfen, habe ich kein Verständnis dafür, dass die Krankenkassen ihren Teil der Verantwortung nicht wahrnehmen wollen.“ SEBASTIAN HORSCH