Zur Chemotherapie auch in Zeiten von Covid-19?

von Redaktion

Welche Behandlungen wirklich warten können – und welche Sie auch jetzt auf keinen Fall aufschieben sollten

München – Kann ich noch behandelt werden – oder muss ich jetzt warten? Eine Frage, die sich derzeit viele Patienten stellen. Klar ist: Notfälle bekommen auch in Corona-Zeiten sofort Hilfe. Das gilt auch bei Erkrankungen, die sich andernfalls verschlechtern. Doch nicht immer ist die Sache so einfach. Statt Termine aus Angst vor dem Virus abzusagen oder bei Beschwerden nur abzuwarten, sollten Patienten lieber in der Praxis oder Klinik anrufen – und nachfragen, ob ihr Problem wirklich warten kann.

Obwohl sich Kliniken gerade für einen Ansturm von Corona-Patienten bereit machen, heißt das nicht, „dass nicht auch weiterhin Kapazitäten für akut oder chronisch kranke Patienten zu Verfügung stehen“, betont Prof. Jürgen Floege, Chefarzt an der Uniklinik der RWTH Aachen und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Bei dieser Fachgesellschaft rät man zwar dazu, unnötige Besuche beim Arzt zu vermeiden. Bei ernsten Beschwerden solle man sich aber weiter ärztlichen Rat in Praxen oder Kliniken holen.

Das gilt auch für Augenbeschwerden. „Zu den aufschiebbaren Eingriffen gehören Operationen des Grauen Stars, kosmetische Operationen an den Augenlidern und operative Korrekturen von Fehlsichtigkeiten“, sagt Prof. Horst Helbig von der Deutschen Gesellschaft für Ophthalmologie (DGO). Auch Routinekontrollen lassen sich in der Regel gut auf später verschieben. Anders ist die Lage bei Injektionsbehandlungen der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD): Diese sollten weiter durchgeführt werden – damit sich das Sehvermögen der Patienten nicht unwiederbringlich verschlechtere. „Wir haben unsere Abläufe derart umgestellt, dass das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich gehalten wird“, beruhigt DOG-Generalsekretär Prof. Thomas Reinhard.

Verunsichert sind derzeit auch viele Krebspatienten. So kann teils die Erkrankung selbst – etwa bei Leukämien oder Lymphomen – oft aber auch die Therapie das Immunsystem schwächen. Betroffene sind dadurch anfälliger für eine Corona-Infektion – und vielleicht auch für einen schwereren Verlauf. Das allerdings ist derzeit Spekulation; Daten dazu fehlen noch. Ebenso ist es eine höchst individuelle Entscheidung, ob man Chemotherapie oder Bestrahlung aussetzen sollte oder unbedingt fortführen muss.

Der Grund: Verlauf und Therapieverfahren bei Krebserkrankungen unterschieden sich je nach Krebsart sehr stark, heißt es bei der Deutschen Krebshilfe. „Es gibt bei Krebs manchmal Erkrankungssituationen, in denen kein schnelles Handeln erforderlich ist. In anderen Fällen ist eine dringende Behandlung geboten, um Heilungschancen nicht zu gefährden“, erklärt Prof. Michael Baumann vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). „In wieder anderen Fällen muss die Behandlung aufgrund einer besonderen Infektionsgefährdung von Patienten individuell angepasst werden. Pauschale Empfehlungen lassen sich daher nicht geben.“

Allgemeine Informationen finden Betroffene in einer Sammlung häufiger Fragen und Antworten, die DKFZ-Experten im Internet zusammengestellt haben, unter: www.krebsinformationsdienst.de. Sie können sich aber auch an die DKFZ-Hotline wenden, erreichbar unter Tel. 0800/420 30 40 (täglich von 8 bis 20 Uhr). ANDREA EPPNER

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