„Spahns Aussage gefällt mir gar nicht“

von Redaktion

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Axel Fischer ist Geschäftsführer der städtischen München Klinik. Den Vorstoß von CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn, die Kliniken sollten allmählich wieder in den Regelbetrieb übergehen, sieht er skeptisch.

Was sagen Sie zur Aussage von Jens Spahn?

Die Aussage hat mich sehr überrascht. Solange der Staat uns nicht ausreichend mit Schutzmaterialien, Medikamenten und Testmöglichkeiten versorgen kann, halte ich es für sehr problematisch, wenn jetzt wieder alle anfangen zu operieren.

Warum?

Bei uns bekommt jeder Patient, bevor er behandelt und operiert wird, einen Test. So picken wir immer mehr Patienten raus, die das Coronavirus haben, ohne es zu wissen. Ich kann nicht sagen, ob das überall so gehandhabt wird, aber ich hoffe es. Denn alle Kliniken bräuchten so eine Abklärung. Erst wenn es diese Voraussetzungen gibt, kann man in meinen Augen wieder langsam in Richtung Regelbetrieb hochfahren.

Wie ist die Situation derzeit in Ihren Kliniken?

Wir haben seit etwa zwei Wochen konstant viele Corona-Patienten, so zwischen 160 und 180, davon 50 bis 60 auf der Intensivstation. Das heißt, wir haben eine hohe Belastung. Andere Bereiche sind nahezu leer, das ist schon richtig. Ich verstehe auch, dass viele Ärzte sagen, wir wollen wieder mehr Patienten behandeln, denn der wirtschaftliche Druck ist hoch und die Zahl der Notfälle stark zurückgegangen. Viele Menschen haben Angst, sich in der Klinik anzustecken. Dass jemand, dem ernsthaft etwas fehlt, nicht kommt, darf nicht sein. Wir können auch nicht jede Hüft- und Knieoperation ewig rauszögern. Aber ich sage noch einmal: Dafür müssen die Voraussetzungen gegeben sein.

Spahn hat auch gesagt, das Virus sei inzwischen ganz gut beherrschbar…

Wenn die Beschränkungen hart bleiben würden, mag das stimmen. Aber wir wollen ja alle wieder allmählich lockern. Die Frage, ob es auch dann noch beherrschbar ist, ist nicht beantwortet. Wir halten die Lage für sehr fragil. Die Infektionssituation kann sofort wieder kippen. Wir in den Kliniken haben eine extrem hohe Verantwortung. Jetzt zu sagen: Geht in den Regelbetrieb über – das ist die falsche Aussage. Das gefällt mir überhaupt nicht. Wir haben in unseren Kliniken für ein bestimmtes Maximum an Corona-Patienten geplant. Auch wegen der Beschränkungen kam dieses Maximum zum Glück nicht. Aber wir werden ein Level halten, das es uns erlaubt, sofort wieder in einen noch stärkeren Krisenmodus zu schalten. Die Fallzahlen können jederzeit wieder rasant steigen.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

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