Urlauber anlocken

von Redaktion

Wien – Die Grenzen sind dicht, doch die Hoffnungen auf Tourismus wachsen plötzlich. Österreichs Regierung will den Deutschen offenbar vor der Sommersaison einen „Deal“ anbieten, um die heimische Fremdenverkehrsbranche vor dem Kollaps zu retten. In einem Interview spricht Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) von einer „bilateralen Vereinbarung“, Urlauber durchzulassen.

„Die Einschränkung der Reisefreiheit wird uns in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben“, sagte Köstinger der Sonntagszeitung „Die Presse“. „Wenn Länder aber auch auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise Deutschland, dann gibt es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt.“ Ihre Regierung plane „durchaus auch, dass es im Sommer Ferientourismus geben wird“.

Österreich ist von deutschen Reisenden stark abhängig. 75 Prozent der Übernachtungen werden von Gästen aus dem Ausland gebucht, 37 Prozent von Deutschen. Im Moment sind jedoch sämtliche Hotels geschlossen, die Einreise ist ohnehin nur mit triftigem Grund und negativem Coronatest möglich.

Zudem gibt es politische Spannungen. Andere Länder werfen österreichischen Politikern und Touristikern – vor allem in Tirol – vor, mit dem schlechten Krisenmanagement im März und April rund um den Pandemieherd Ischgl die europaweite Ausbreitung des Virus beschleunigt zu haben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) benennt öffentlich die Rückkehrer aus dem Skiurlaub als größte Ursache für Corona-Infektionsketten in Bayern; bisherige Untersuchungen scheinen das zu belegen. Söder ruft dazu auf, den Sommerurlaub in Deutschland zu verbringen. Hier gebe es „wundervolle Ziele“. Wo und wie das möglich ist, ist derzeit ohnehin noch nicht absehbar. Auch in Deutschland sind Hotels für Touristen geschlossen. Zudem gilt weiterhin eine weltweite Reisewarnung, Dauer unbekannt.

Bayern ist umgekehrt deutlich weniger auf Urlauber aus Österreich angewiesen. Von den rund 40 Millionen Gästeankünften sind rund 10 Millionen aus dem Ausland, davon nur jeder elfte aus Österreich. C. DEUTSCHLÄNDER

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