4 FRAGEN AN
Karin Köstlmeier-Willems
führt seit zwölf Jahren zusammen mit ihrem Mann das Bräustüberl Weihenstephan in Freising.
Biergärten können ab dem 18. Mai öffnen. Drinnen können Sie eine Woche später das erste Mal wieder Schweinsbraten servieren. Zufrieden?
Mit den neuen Regeln können wir gut leben. Für uns ist aber entscheidend, wie viele Personen gleichzeitig in unserem Restaurant sitzen dürfen. Wir haben ungefähr 500 Innenplätze, unter 60 bis 80 Gästen, die zur Stoßzeit essen und trinken können, brauchen wir nicht öffnen. Das ist wirtschaftlich nicht zu stemmen. Ich hoffe, dass die Größe eine Rolle spielt. Wenn es aber heißt: Größenunabhängig dürfen höchstens 30 Gäste im Wirtshaus sein, so eine Regelung hatten wir vor einigen Wochen, dann ist eine Öffnung der Innengastronomie des Bräu-stüberls nicht möglich.
Gehen wir mal davon aus, dass die Detailregeln in Ihrem Sinne sind. Wäre das ein Befreiungsschlag für Ihren Betrieb?
Wir wissen noch gar nicht, wie das Gästeverhalten sein wird. Das ist die große Unbekannte. Hinzu kommt: Ein Großteil unserer Kunden wird weiter fehlen. Wir haben grob gesagt sieben Gruppen, die zu uns kommen. Sechs davon haben wir verloren. Wir haben vorerst die Firmen verloren, wir haben die Touristen verloren. Es gibt keine Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten bei uns. Wir sind auf dem Uni-Berg, aber die Studenten haben wir auch verloren – die lernen jetzt zuhause. Busreisen wird es so schnell nicht mehr geben, Airlines waren gute Kunden, auch die fallen gerade weg. Also bleibt nur noch eine Gruppe: der ganz normale Gast, der à la carte bei uns isst. Aber wir schauen nach vorne und freuen uns über jeden Gast.
Wie waren die letzten Woche für Sie?
Furchtbar. Sie waren geprägt von Angst und Sorgen, vor allem um unsere Mitarbeiter, die in Kurzarbeit ausharren und die verzweifelt sind. Das nimmt uns mit, genau wie unser eigenes Schicksal. 60 Prozent unseres Umsatzes machen Firmenkunden. Wie geht es den Firmen jetzt? Das fragen wir uns immer wieder. Kommen die zurück zu uns? Es sind viele Dinge, die uns umtreiben. Kommt eine zweite Virus-Welle? Und auch die eigenen Kredite müssen zurückbezahlt werden. Es ist das schlimmste Jahr unserer Gastrokarriere.
Die Sehnsucht nach dem Biergartenbesuch ist riesig. Ein Hoffnungsschimmer auch für Sie?
Wir haben 580 Plätze. Mal schauen, wie viele mit den Hygieneregeln tatsächlich Platz nehmen dürfen. Dennoch ist es gut zu wissen, dass es bald wieder losgeht – wir sind jederzeit startklar.
Interview: Stefan Sessler