„Die Politik vernichtet Existenzen“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Gabriele (54) und Heiko Linke (56) betreiben seit 1992 das Fitnessstudio Arabellapark in München. Seit 17. März ist wegen Corona aber zwangsweise geschlossen. Dass Bayerns Fitnessstudios nicht von den jüngsten Lockerungen profitieren, macht die Linkes wütend.

Herr Linke, wie ist Ihre wirtschaftliche Lage?

Wir haben Rücklagen, die wir für Modernisierungen nutzen wollten. Und wir sind überwältigt von der Treue der Mitglieder – sonst könnten wir nur zusehen, wie unser Lebenswerk vernichtet wird. Trotzdem: Wir haben wegen Corona bereits an die 250 unserer 2700 Mitglieder verloren, weil auslaufende Verträge nicht verlängert werden und wir keine neuen Mitglieder werben können. So geht es derzeit allen Fitnessstudios. Und je länger es dauert, desto mehr Mitglieder beantragen eine Beitragsfreistellung.

Fitnessstudios bleiben zu. Wie enttäuscht sind Sie?

Wir hatten ganz fest damit gerechnet, dass Fitnessstudios auch einen Fahrplan bekommen, damit wir endlich Planungssicherheit haben. Stattdessen wurden wir einfach übergangen. Da habe ich schon eine gewisse Wut verspürt. Wir sehen uns auch als systemrelevant an. Fast zwölf Millionen Menschen trainieren in deutschen Fitnessstudios. Das beugt Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rückenschmerzen vor und stärkt das Immunsystem.

Es heißt, in Fitnessstudios sei die Gefahr der Ansteckung zu groß.

Wir sind alle erwachsene, intelligente Leute und keiner will sich anstecken. Wir werden behandelt wie Kinder, die nicht wissen, was sie machen müssen. In Baumärkten stehen Leute oft eng an eng am Regal, in einem Fitnessstudio kann ich das besser steuern. Man kann nur jedes zweite Gerät öffnen, die Sauna schließen, nur einen in die Dusche lassen. Und man kann auch mit Maske trainieren, ich habe das selber probiert. Wir sind vorbereitet. Es gibt vom Deutschen Sportstudio-Verband Konzepte, die der Politik in Bund und Ländern vorliegen. Aber es gibt keine Reaktion. Was die Politik macht, ist existenzvernichtend.

Der Verband hat nun eine Klage angekündigt.

Ja. Wir haben ein Schreiben bekommen. Dort steht: Sollte am 6. Mai keine politische Entscheidung zu einem Zeitfahrplan fallen, wird der Verband mit einem Mitgliedsbetrieb Klage auf Wiedereröffnung der Fitnessstudios erheben.

Wie lange halten Sie noch durch?

Bis Mitte Juni, dann wird es schwierig. Wir fänden es fair, wenn wir dieselbe Perspektive bekommen wie die Gastronomie und bis Pfingsten wieder öffnen dürfen.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

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