Corona macht wohl doch keine Sommerferien

von Redaktion

Forscher dämpfen Erwartungen: Höhere Temperaturen und Luftfeuchtigkeit bremsen Sars-CoV-2 allenfalls leicht

München – Bringt der Sommer eine Coronapause? Diese Hoffnung hatten Forscher zu Beginn der Pandemie (wir berichteten). Doch auf diesen Effekt allein sollte man sich wohl nicht verlassen, wie eine kanadische Studie im Fachblatt „Canadian Medical Association Journal (CMAJ)“ nahelegt. Demnach haben eine höhere Temperatur und Luftfeuchtigkeit kaum Einfluss auf die Ausbreitung von Sars-CoV-2 – anders als Eindämmungsmaßnahmen, etwa das Verbot von Großereignissen.

Dabei war die Hoffnung auf den Sommer durchaus begründet. Ein saisonales Sinken der Infektionszahlen gibt es bei anderen Erregern wie dem Influenzavirus, das vor allem in der kalten Jahreszeit wütet; im Frühjahr gehen die Infektionszahlen zurück.

Doch gilt das auch für das Virus Sars-CoV-2? Um das herauszufinden, haben kanadische Forscher die Entwicklung in 144 Ländern in einer Studie analysiert, mit insgesamt mehr als 375 000 Fällen. Daten aus China, Südkorea, Italien und Iran wurden nicht einbezogen, da es dort ungewöhnliche Infektionsverläufe gegeben habe oder die Ausbreitung eingedämmt schien.

Aus den Daten schätzten die Wissenschaftler den Zeitraum ab, in dem die Ansteckungen in etwa erfolgt sein mussten, nämlich vom 7. bis 13. März – und setzten die Infektionszahlen in Bezug zur Temperatur, der Luftfeuchtigkeit sowie zu Maßnahmen wie Schulschließungen, Verboten von Großereignissen und „Social Distancing“.

Das Ergebnis: In Ländern, in denen höhere Temperaturen gemessen wurden, hatte dies keinen erkennbaren Effekt auf die Ausbreitung. Diese war aber ein wenig geringer, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch war. Mögliche Erklärung: Virushaltige Tröpfchen, die beim Husten oder Sprechen freigesetzt werden, sinken bei feuchter Luft schneller zu Boden – damit sinkt das Infektionsrisiko.

Doch auch dieser Effekt war minimal. Einen deutlich stärkeren Rückgang sahen die Forscher in Ländern, die sich für die genannten Eindämmungsmaßnahmen entschieden hatten. Sie folgern daraus, dass man sich nicht allein auf den Sommer verlassen sollte. Die Autoren räumen allerdings auch Schwächen der Studie ein. Diese beruht auf gemeldeten Infektionen, die auch von der Zahl der Tests abhängt – getestet wird nicht überall gleich oft. Auch Einflüsse der Witterung auf das Verhalten der Menschen blieben außen vor.

Eine Studie der Harvard University zeigt zudem, dass Temperaturen ab 25 Grad die Sars-CoV-2-Ausbreitung ein wenig bremsen. Aber: Auch die Harvard-Forscher schätzen den Effekt als zu gering ein, als dass man sich allein darauf verlassen sollte.  ae

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