Sind Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe besonders anfällig für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung? Jüngsten Erkenntnissen zufolge sieht es danach aus. Forscher aus Norwegen und Deutschland kommen zu dem Schluss: Menschen mit Blutgruppe A sind besonders empfänglich für das Coronavirus – und weisen ein signifikant höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf auf. Menschen mit Blutgruppe 0 sollen hingegen deutlich besser vor dem Virus geschützt sein. Konkret: Bei Patienten mit der Blutgruppe A sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach einer Infektion Sauerstoff benötigen, doppelt so hoch wie bei jenen mit der Gruppe 0. Das Risiko für Patienten mit den B-Blutgruppen, also B und AB, liegt den Experten zufolge in der Mitte.
Die Vermutung, dass bei der Immunabwehr gegen das neuartige Coronavirus genetische Faktoren eine Rolle spielen, gibt es schon länger. So beschäftigten sich bereits im März chinesische Wissenschaftler mit dem Einfluss von Blutgruppen auf die Anfälligkeit eines Menschen für Sars-CoV-2 – ihnen soll bald aufgefallen sein, dass besonders viele Covid-19-Patienten Blutgruppe A hatten. Jetzt haben Forscher um Dr. Tom Karlsen vom Osloer Universitätsklinikum und Dr. Andre Franke von der Uniklinik Kiel rund 1600 Blutproben von spanischen und italienischen Covid-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf ausgewertet; alle diese Patienten mussten mit Sauerstoff versorgt werden. Besagte Proben verglichen die Wissenschaftler dann mit mehr als 2200 Proben gesunder Blutspender aus Italien und Spanien. „Ein sehr erstaunliches Ergebnis“, kommentierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Auswertung – und sprach von einer „robusten“ Studie. „Da die Immunantwort von der Blutgruppe abhängt, macht das Sinn“, sagte er. Diese Tendenz zeigte sich übrigens schon bei anderen Infektionskrankheiten, etwa Malaria: Auch hier sollen Patienten mit Gruppe 0 einen Schutz vor schweren Verläufen haben. bn