Neue Wellen oder ein langsames Ausbrennen?

von Redaktion

Forscher zeichnen diverse Szenarien, wie es mit dem Coronavirus weitergeht – Angst vor Kollision mit Grippewelle

München – Kommt eine zweite Welle? Und wenn ja, wie stark wird sie sein? Auf diese Fragen gibt es derzeit unterschiedliche Antworten. Aber die Hoffnung wächst, dass sich ein neuerlicher Lockdown, selbst ohne Impfstoff, vermeiden lässt.

Wie es wirklich wird, kann niemand seriös voraussagen. US-Forscher der Universität in Minnesota haben jedoch festgestellt, dass die Ausbreitung von Sars-CoV-2 eher vergangenen Grippepandemien ähnelt. Für den weiteren Verlauf der aktuellen Pandemie zeichnen sie drei Szenarien. Das erste: Das Virus löst noch mehrere kleine Wellen aus, die 2021 ausklingen; die Wellen sind geografisch unterschiedlich stark, wobei auch verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung eine Rolle spielen. Zweites Szenario: Zwar gibt es weitere Fälle, aber es kommt zu einem „langsamen Ausbrennen“ des Virus – ohne zweite Welle.

Das dritte Szenario ist am unerfreulichsten: Im Herbst/Winter kommt eine stärkere zweite Welle, gefolgt von kleineren Wellen 2021. Dieses Szenario beunruhigt Ärzte, weil das Coronavirus mit der alljährlichen Grippewelle zusammenfiele. Das wäre für das Gesundheitssystem eine Zerreißprobe, sagt Prof. Clemens Wendtner, Chefarzt für Infektiologie der München Klinik Schwabing. Wendtner rechnet mit einer zweiten Welle, solange es keinen Impfstoff gibt, und rät vor allem Risikogruppen, sich gegen Grippe impfen zu lassen.

Denkbar ist auch, dass sich Sars-CoV-2 zu einer Art Winter-Virus entwickelt. Coronaviren sind umhüllt und mögen kaltes und feuchtes Wetter – Hitze eher nicht. Dass sich das Virus nun trotzdem in Ländern mit warmem Klima stark verbreitet hat, liegt laut US-Forschern aus Harvard und Princeton daran, dass es neu ist – und auf eine völlig ungeschützte Bevölkerung traf. Je mehr Menschen Antikörper hätten, desto mehr wirke sich heißes Klima hemmend auf das Virus aus, glauben sie. Und: Sie halten wiederkehrende Ausbrüche im Winter für möglich.

Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sein. Derzeit laufen vielerorts Studien, die klären sollen, wie viele tatsächlich immun sind; etwa durch Antikörpertests. Allein in Spanien wurden 70 000 Menschen getestet – nur fünf Prozent hatten Antikörper. Im Corona-Hotspot Madrid waren es 11,3 Prozent. Alles weit weg von einer Herdenimmunität. Unklar ist zudem, ob jeder Infizierte nach durchgestandener Erkrankung immun ist – und wie lange diese Immunität anhält.

Die Nato rüstet sich in jedem Fall für eine zweite Welle. Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, man erarbeite Pläne für ein koordiniertes Vorgehen; man plane Lager mit medizinischem Material und wolle genug Transportkapazitäten schaffen.  wha

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