100 JAHRE BERGWACHT

Geburtsstunde im Hofbräuhaus – als Sittenwacht

von Redaktion

München – Im Wirtshaus wird gern Schmarrn geredet – und oft genauso schnell wieder vergessen. An diesem Tag aber entsteht zwischen Bierkrug und Brotzeit etwas, das bis heute eine wichtige Rolle in der Bergwelt spielt: Am 14. Juni 1920 wird im Münchner Hofbräuhaus die Bergwacht gegründet. Der Hintergrund: Nach dem Ersten Weltkrieg zieht es die Städter in die Alpen. Auf den Hütten wird gebechert, gesungen, randaliert. Es gibt Klagen über Einbrüche, Wilderei und Holzdiebstahl. Und nicht alle nehmen Rücksicht auf die Natur. Die frühe Bergwacht versteht sich also zuallererst als „Natur- und Sittenwacht“, so die Satzung.

In die Berge kommen viele Ungeübte, die in Bergnot geraten. Es gibt zwar seit 1898 Rettungsstationen in den bayrischen Alpen. Und es gibt den Gebirgsunfalldienst (GUD) des Roten Kreuzes. Doch kurz nach der Gründung schließen sich Bergwacht und Rettungsstationen zusammen. Von da an übernimmt die Bergwacht allein die Aufgabe, Verunglückte zu retten.

Innerhalb weniger Jahre entwickelt sich die Bergwacht unter dem Dach des Alpenvereins (DAV) zur flächendeckenden Organisation. Als nach 1945 der DAV – der Verein hatte die NS-Ideologie stark übernommen – verboten wird, findet die Bergwacht beim Roten Kreuz eine neue Heimat.

In den Folgejahren wird die Bergwacht – heute mit rund 5000 ehrenamtlichen Helfern – weiter professionalisiert: mit Einsatzgeräten, die in weiterentwickelter Form noch in Gebrauch sind. 1952 werden Lawinenhundestaffeln gegründet. Ab 1953 rüstet man die Helfer mit Funkgeräten aus.

Seit 1966 werden bei der Bergwacht Rettungsspringer ausgebildet – Vorläufer der heutigen Luftretter. Als Zusammenschluss mit dem Deutschen Skiverband und der Stiftung Sicherheit im Skisport übernimmt die Bergwacht seit 1978 die Pistenrettung. Auch Krisenintervention und Höhlenrettung gehören zum Aufgabengebiet.

Seit 2008 verfügt die Bergwacht mit dem Zentrum für Sicherheit und Ausbildung in Bad Tölz zudem über ein weltweit einzigartiges Simulationszentrum. Neben Bergwacht, Sanitätern und Feuerwehren trainieren dort auch internationale Rettungsorganisationen.

Seit 2010 sind sogar Drohnen im Einsatz. Die technische Aufrüstung ist sicher nicht übertrieben. Die Klagen nehmen zu, dass immer öfter Skitourengeher, Wanderer, Gleitschirmflieger oder Mountainbiker ihre eigenen Grenzen überschreiten: Mit fast 9000 Einsätzen erreicht das Jahr 2019 einen Spitzenwert. KLAUS MERGEL

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