Kann Gütersloh ein zweites Ischgl werden?

von Redaktion

Gütersloh – Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen schafft ein Corona-Massenausbruch im ostwestfälischen Kreis Gütersloh gut eine Woche vor Beginn der Sommerferien für neue Unsicherheit. Wird der Landkreis mit 370 000 Einwohnern, wenn es dumm läuft, demnächst in einem Atemzug mit Ischgl genannt? Die wichtigsten Fragen:

Dürfen Bewohner aus dem Kreis Gütersloh verreisen?

Wissenschaftler Max Geraedts von der Uni Marburg appelliert zur Zurückhaltung bei denjenigen, die zuletzt Kontakt zu den 7000 Quarantäne-Betroffenen nach dem Ausbruch mit mindestens 730 Neuinfizierten im Schlachtbetrieb des Branchenriesen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hatten. „Jeder, der hier ein Infektionsrisiko bei sich sieht, sollte eine Urlaubsreise möglichst etwas verschieben“, rät der Leiter des Instituts für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie.

Welche Gefahr geht womöglich von dem Hotspot in NRW aus?

Das Virus könne sich von Rheda-Wiedenbrück sehr schnell ausbreiten, sagt Epidemiologe Hajo Zeeb. Das lasse sich verhindern, aber dafür müsse man konsequent reagieren. „Angesichts der sehr hohen Infektionszahlen wären sehr weitgehende Beschränkungen nötig. Ich bin überrascht, dass sich die Restriktionen bisher nur auf Schulen und Kitas im Kreis beziehen.“

Wie sieht es in anderen Corona-Hochburgen aus?

Auch die Stadt Göttingen steht vor Herausforderungen. Innerhalb von zwei Tagen seien knapp 120 Infektionen mit dem Virus bestätigt worden, teilte die Stadt mit. Die Behörden hatten die betroffene Wohnanlage in der Innenstadt unter Quarantäne gestellt. Rund 700 Bewohner sind betroffen. In Kassel sind unterdessen nach etwa 20 Corona-Nachweisen in einer Flüchtlingsunterkunft rund 60 Menschen in Quarantäne. Die Zahl binnen 24 Stunden erfasster Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Deutschland nun so hoch wie seit einem Monat nicht mehr. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut 770 neue Fälle.  dpa

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