Im Land der aufgehenden Sonne geht das Glück oft schnell wieder unter. Heute heiraten, morgen trennen. Seit 2003 steigen die Scheidungsraten in China rapide. Damals wurden die Ehegesetze liberalisiert. Ist sich das Ehepaar einig, steht der Rückkehr ins Single-Leben nichts mehr im Wege. 4,15 Millionen Scheidungen gab es in China im vergangenen Jahr. Das Coronavirus hat nun eine regelrechte Scheidungswelle ausgelöst. In der Provinz Mulio hätten die Mitarbeiter kaum Zeit, einen Schluck Wasser zu trinken, so lang seien die Schlangen, berichtete die Stadtverwaltung. Die Regierung in Peking hat nun reagiert. Ab Januar soll es eine 30-Tage-Frist geben, um die Zahl der Impulsiv-Scheidungen zu verringern.
Impulsiv, das geht in Deutschland nicht. Wer die Scheidung will, muss in der Regel ein Trennungsjahr vorweisen. Diese Trennung muss man weder seinem Anwalt noch einer Behörde anzeigen. Man muss das Jahr am Ende nur belegen können. Insofern gibt es auch noch keine offiziellen Zahlen, welche Folgen Corona für deutsche Ehen hat. Beim Münchner Amtsgericht werde das erst mit Verzögerung aufschlagen, bestätigte ein Sprecher auf Anfrage. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge dürfte die Zahl der Scheidungen aber auch hierzulande steigen. Civey geht von einer Verfünffachung aus.
Kurioserweise waren viele am Anfang der Krise eher von einem Babyboom ausgegangen. Die Zweisamkeit müsse doch Früchte tragen, so die These. Noch vor zwei Monaten hatte Ikea-Chef Jesper Brodin angekündigt, die Lager mit Produkten für Babys auffüllen zu wollen. In sieben bis acht Monaten könne die Nachfrage anziehen, spekulierte er. „Krisen haben in der Vergangenheit einen Baby-Boom ausgelöst.“ Viele Experten bezweifeln dies inzwischen. „Es werden wohl eher die Scheidungs- und Trennungsraten steigen als die Geburtenzahlen“, sagte die Soziologin Michaela Kreyenfeld schon Mitte Mai. Je nach Entwicklung der Wirtschaft könne die Geburtenrate durch Corona regelrecht ins Stocken geraten.
Darauf deutet auch eine Studie der Universität Florenz hin. Forscher hatten via Internet 1500 italienische Paare im Alter von 18 bis 46 Jahren befragt, die mindestens seit einem Jahr zusammen sind. Ergebnis: Etwa 20 Prozent hatten vor Corona einen konkreten Kinderplan, mehr als ein Drittel gab die Idee in der Corona-Krise aber wieder auf – aus Angst vor einer gefährlichen Schwangerschaft und auch wegen wirtschaftlicher Sorgen. wha