„An das Tempo muss man sich herantasten“

von Redaktion

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Lothar Röth aus München ist überzeugter Pedelec-Fahrer. Er hat sich in Fragen der Fahrsicherheit fortgebildet und bietet für den ADFC ehrenamtlich Trainingstouren für Pedelec-Neulinge an.

Herr Röth, manche Pedelec-Besitzer wollen mit ihrem Rad schneller unterwegs sein und tricksen die Motor-Abriegelung bei 25 Stundenkilometern aus. Eine gute Idee?

Ich denke, 25 Stundenkilometer sind schon ein Tempo, an das man sich erst mal herantasten muss. Mit entsprechender Vorbereitung kann man das gut händeln, mehr muss es aber auch nicht sein.

Warum können hohe Geschwindigkeiten ein Problem sein?

Man muss sie fahrerisch beherrschen. Dazu kommen Erwartungen anderer Verkehrsteilnehmer. Ich hatte deshalb schon selbst einen Unfall. Ich wollte in der Schlussphase von Grün noch über eine Kreuzung fahren und habe beschleunigt. Ein abbiegender Autofahrer hat aber nicht damit gerechnet, dass ich mit meinem Pedelec so anziehen konnte. Je höher die Geschwindigkeit, umso höher ist die Abweichung von den Erwartungen. Umso wichtiger wird der Blickkontakt. Ohne Blickkontakt kann ich mich bei 25 km/h darauf verlassen, dass es irgendwann kracht. Das Tempo ist aber nicht das einzige Problem. Es gibt Statistiken, nach denen Ältere im Schnitt nur zwei Stundenkilometer schneller fahren als mit dem normalen Rad. Trotzdem gibt es Stürze.

Was gilt es beim Pedelec noch zu beachten, um Stürze zu vermeiden?

Pedelecs sind rund sieben Kilo schwerer als normale Räder. Das ist gewöhnungsbedürftig. Ist dann noch das Gewicht ungünstig verteilt, weil etwa der Akku am Gepäckträger ist, kann sich das Rad beim Anfahren am Berg aufbäumen. Auch das Bremsverhalten ist anders, die Bedienung komplizierter. Manche Menschen tun sich schon mit der Gangschaltung am normalen Rad schwer. Und beim Pedelec kommen noch verschieden wählbare Unterstützungsstufen dazu. In meinen Fahrtrainings lasse ich den ersten Kilometer immer erst mal ohne Motor fahren. Dann werden nach und nach Stufen zugeschaltet.

Steigt die Nachfrage nach Ihren Trainings?

Wir haben beim ADFC Mühe, genug Ehrenamtliche zu finden, um die Nachfrage zu decken. Ich selbst habe vor sechs Jahren pro Jahr vier Trainingstouren mit je sechs Teilnehmern angeboten. Inzwischen sind es zwölf Touren mit zehn Teilnehmern. Die Nachfrage steigt, ganz ohne Werbung. Das liegt wohl auch an den steigenden Unfallzahlen.

Interview: Stefan Reich

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