Fall 1: Der Jungsparer, der 1000 Euro von der Oma erhält und das Geld langfristig nicht braucht.
Tipp von Stefanie Kühn: Aktien-ETF, weltweit (MSCI World). Diese Einmal-Investition kann er dann, wenn er vielleicht in zwei Jahren seine Lehre beendet hat, und 50 oder 100 Euro monatlich übrig hat, mit einem Sparplan erweitern. Dann hat er eine Anlage, die übersichtlich bleibt. Wichtig: Er darf das Geld nicht plötzlich doch übermorgen brauchen.
Fall 2: Die junge Familie, die 10 000 Euro sparen kann.
Tipp: Wenn die Familie das Geld vielleicht aktuell nicht braucht und eine Notfallreserve schon vorhanden ist, könnte man das bei einem ganz langfristigen Anlagehorizont auch in den Aktienmarkt packen. Es könnte aber auch eine 50:50-Lösung sinnvoll sein, zum Beispiel mit Festgeld und Aktien-ETF, weil bei einer Familie immer irgendetwas passieren kann. 50 Prozent in Aktien (ETF MSCI World, eventuell auch als Sparplan – gestreckt über zwei bis drei Jahre, den man dann eventuell weiterführen kann). Die Mischung 50:50 passt für chancenorientierte, also risikobereitere Anleger, es können auch nur 30 Prozent sein. Das hängt auch von der weiteren Absicherung und Anlagen ab, die schon vorhanden sind (zum Beispiel Festgelder).
Fall 3: Eine Familie, die 100 000 Euro geerbt hat.
Tipp: Wer in Aktien investiert, sollte einen Zeithorizont von mindestens sieben Jahren haben. Wenn die Familie das Erbe wirklich länger nicht braucht, könnte man das Geld in einen Mix aus Aktien-ETF und Festgeld anlegen. Bei der Summe wäre vielleicht noch etwas Gold sinnvoll – zwischen 2,5 und zehn Prozent, das hängt davon ab, was der Anleger erwartet. Ansonsten: Festgeldtreppe, das heißt Festgelder verschiedener Laufzeit und je nach Risikoeinstellung Aktien.
Wenn die 100 000 Euro die einzigen Ersparnisse – neben dem Eigenheim – sind, sollte der Aktienanteil nicht höher als 40 bis 50 Prozent sein. Während der Corona-Krise hatten wir einen Crash mit 30 Prozent Verlust: Von 100 000 Euro Anlagevolumen nur in Aktien wären also zwischenzeitlich 30 000 Euro weg gewesen! Das ist der Wert eines richtig dicken Autos – wer kann das schon gut aushalten? Da werden auch die nervös, die vorher gesagt haben, das sitze ich alles aus. Ich rate deshalb zu deutlich geringeren Aktienanteilen. wdp