„Da sind sie wieder, die Briten. Sie sind zwar mittlerweile zu einem 17-Millionen-Volk geschrumpft, fahren auf der rechten Straßenseite und sprechen niederländisch. Aber die Rolle des Buhmanns, der sich am Brüsseler Verhandlungstisch unbeliebt macht, beherrschen sie gut. Der französische Präsident Emmanuel Macron ist sich jedenfalls sicher: ,Die neuen Briten‘, das sind für ihn vor allem die Niederländer und ihr Verhandlungsführer Mark Rutte, der zugleich als Wortführer der sogenannten Sparsamen Vier fungiert.“
Neue Zürcher Zeitung
„Was aber jetzt schon klar ist: Die Kräfteverhältnisse innerhalb der EU haben sich verschoben. Eine geschlossene Gruppe kleiner Staaten hat den deutsch-französischen Motor gebremst. Die zuletzt ,bescheidenen fünf‘ (Österreich, Niederlande, Schweden, Dänemark und Finnland) haben ihre Macht entdeckt, wenn sie sich zusammentun. Seien es nun die Kleinen oder die Frugalen oder die Visegrad-4-Staaten – was das Innenleben der Europäischen Union angeht, weht also spätestens seit diesem historischen EU-Gipfel ein neuer Wind.“
Kurier, Wien
„Im Kampf für eine ,sparsamere‘ EU hat er sich in den vergangenen vier Tagen und Nächten etwas zu oft und zu auffällig quergestellt. Das hat Mark Rutte zwar Bewunderung seitens des österreichischen Bundeskanzlers eingebracht – Sebastian Kurz war der wichtigste Bündnispartner bei seiner Übung in Sparsamkeit –, aber es wird doch noch eine Weile dauern, bis die Schwergewichte in Europa ihm wieder freundschaftlich auf die Schulter klopfen.“
De Standaard, Belgien
„Selbst die unzufriedensten Länder wollen die EU derzeit nicht verlassen, wie Großbritannien das getan hat. Wäre die EU wirklich am Auseinanderbrechen, hätte man eine Initiative wie den Corona-Wiederaufbaufonds gar nicht erst in Betracht gezogen. In der Ära nach dem Brexit hat sich die alte Achse Paris-Berlin wieder Geltung verschafft. Angela Merkel hat ihren Ruhestand hinausgeschoben, um dem Kontinent etwas von einer starken und visionären Führung zu geben, wie sie das in Deutschland während der Flüchtlingskrise tat. Ihr Dienstalter (Bundeskanzlerin seit 2005) und das wirtschaftliche Gewicht ihres Landes haben ihr das ermöglicht. Gemeinsam mit Emmanuel Macron sorgt sie dafür, dass die EU relevant bleibt, und gibt ihr ein neues Gefühl der Zielstrebigkeit.“
The Independent, London
„In den vergangenen Tagen wurde im Brüsseler Ratsgebäude eine Art neuer Operette aufgeführt, mit dem niederländischen Premierminister Mark Rutte als Tenor. Der Wortführer der – inzwischen – fünf sparsamen oder ,geizigen‘ Länder hat sich mit seinen vielen Versuchen, die Gesamtsumme des Wiederaufbaufonds zu begrenzen und Direkttransfers oder Subventionen zu verbieten, ziemlich unbeliebt gemacht. (…) Mehrere Quellen betonen, dass der Gipfel kurz vor dem Platzen stand. Merkels Intervention verhinderte, dass es so weit kam.“
De Tijd, Belgien