Zimperlich geht es bei einem EU-Gipfel nicht immer zu. Wenn so viele große Egos aufeinanderprallen, kann es auch mal rumpeln, so wie am Sonntagabend beim Dinner. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schwer genervt vom Widerstand der „Sparsamen Vier“, ließ die Faust auf die Tischplatte donnern. Rasch drang die Nachricht nach draußen: Mehrfach drohte der Franzose mit sofortiger Abreise, aber das erwies sich letztlich als reine Taktik.
Es waren giftige Verhandlungen, aber es ging auch um viel. „Wir krachen mit den Holländern zusammen“, teilte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte via Facebook mit. Die Kompromisslosigkeit des niederländischen Regierungschefs Mark Rutte brachte ihm von Macron das Prädikat „Neuer David Cameron“ ein, in Erinnerung an den ähnlich unbequemen früheren britischen Premierminister. Zum Ungarn Viktor Orban schnaubte der Präsident in der Hitze des Gefechts: „Kein Rechtsstaat, null Euro.“
Es gab aber auch Harmonie. Deutsche, Franzosen und Italiener logierten im selben Hotel, hier trafen sich Merkel, Macron und Conte noch in den Morgenstunden in der Bar, um auf den 66. Geburtstag der Kanzlerin anzustoßen. In diesen Genuss kam Rutte nicht, aber das wird er verschmerzen. Bei so einem Gipfel gehe es schließlich darum, die Interessen der eigenen Landsleute zu bedienen: „Nicht darum, bis zum Lebensende auf die Geburtstagsfeier der anderen eingeladen zu werden.“ mb