München – Die Sommerferien im Freistaat haben gerade begonnen, am Donnerstag beginnen sie in Baden-Württemberg – für ein paar Tage haben dann die Schüler in allen 16 Bundesländern gleichzeitig frei. Beste Urlaubszeit also – wäre da nicht die Pandemie. Viele außereuropäische Reiseziele fallen wegen Einreisebeschränkungen weg. Bis Ende August hat das Auswärtige Amt (AA) seine weltweite Reisewarnung verlängert, für den Großteil der europäischen Länder gilt das nicht mehr. Vor Reisen nach Luxemburg und Serbien warnt das AA derzeit noch.
Jedes Reiseland hat heuer seine eigenen Besonderheiten. Ein Überblick über beliebte Ziele der Bayern.
Spanien
Urlauber aus der EU dürfen unbegrenzt einreisen. Spanien-Besucher müssen aber bedenken, dass wegen steigender Infektionszahlen im ganzen Land strenge Regeln wie Maskenpflicht fast überall auch im Freien sowie das Abstandsgebot gelten, auch auf Mallorca und den restlichen Balearen. Ausnahmen von der Maskenpflicht bestehen am Strand, am Pool, beim Essen und Trinken sowie beim Sport. In Barcelona sind die Menschen allerdings aufgerufen, das Haus nur wegen dringender Gründe wie Einkäufe oder Arztbesuche zu verlassen. Etwa 280 lokale Corona-Ausbrüche gibt es derzeit nach offiziellen Angaben.
Die Buchungszahlen sowohl aus dem Ausland wie auch inländischer Urlauber sind deshalb schon stark gefallen. In die Region um die katalanische Stadt Lleida darf man zurzeit gar nicht reisen. Wegen der stark steigenden Infektionszahlen hat die spanische Regionalregierung in Katalonien gerade sämtliche Diskotheken und Konzertsäle mit Tanzfläche geschlossen, die Strände sind nur beschränkt zugänglich. Außerdem gilt in der Region eine Sperrstunde um Mitternacht für Bars, Restaurants, Spielhallen und Kasinos. Der katalanische Präsident Quim Torra hat die kommenden zehn Tage als „die wichtigsten diesen Sommers“ bezeichnet. Ein Kollaps der Tourismusbranche könnte das ganze Land hinunterziehen.
Frankreich
Touristen aus Deutschland können ohne Probleme einreisen, spezielle Unterlagen sind nicht nötig. Die Zahl der Neuinfektionen ist zuletzt wieder stark gestiegen – vor allem rund um Quiberon in der Bretagne. Dort wurden die Strände jetzt wieder geschlossen. Hintergrund ist die Entdeckung von 54 Corona-Fällen in der bei Touristen beliebten Stadt. Zuletzt wurden in Frankreich mehr als 1000 Neuinfektionen pro Tag gezählt. Die Regierung empfahl Unternehmen gestern, vorsorglich einen Maskenvorrat für zehn Wochen anzulegen.
Griechenland
Die Einreise aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie fast allen EU Staaten ist frei. Es besteht keine Quarantänepflicht. Reisende müssen sich aber mindestens 24 Stunden vor der Ankunft elektronisch anmelden und angeben, wo sie vorher waren und wo sie sich aufhalten werden. Ein Algorithmus errechnet dann, ob und welche Reisende nach ihrer Ankunft einen Corona-Test machen müssen. Griechenland ist weiter eines der Länder der EU mit den niedrigsten Infektionszahlen. Da ein Viertel der griechischen Wirtschaft vom Tourismus abhängt, versuchte die Regierung zuletzt, Besuchern zu versichern, dass sie sicher Urlaub machen könnten. Griechenland hat bisher lediglich 4200 Corona-Infektionen registriert.
Bulgarien
Für Feriengäste aus allen EU-Staaten gibt es seit Mitte Juli keine Quarantänepflicht. Bislang ist die Zahl der Gäste aber noch recht niedrig: An den Sandstränden und Promenaden ist es für Juli merkwürdig ruhig. Viele große Hotels in den Badeorten am Schwarzen Meer haben noch immer geschlossen. Wegen der großen Zunahme an Infektionen wird in dem Land schon darüber nachgedacht, den Gesundheitsminister auszutauschen und einen neuen Minister einzusetzen, der strengere Schutzmaßnahmen befürwortet.
Großbritannien
Reisende aus Deutschland können wieder ohne Einschränkungen einreisen. Vor der Einreise nach Großbritannien muss ein Formular mit Kontaktdaten ausgefüllt werden. Seit Sonntag mussten aus Spanien zurückkehrende Briten aber wieder in Quarantäne, nachdem die Zahl von Neuinfektionen in Spanien wieder gestiegen ist. Doch das Vereinigte Königreich kommt der beliebten Urlaubsinsel jetzt entgegen – laut Medienberichten dürfen Briten die Balearen und Kanaren ohne anschließende Quarantäne verlassen. Großbritannien ist weiterhin das am schwersten von der Pandemie betroffene Land in Europa mit fast 46 000 Corona-Toten.
Italien
Reisende aus der EU dürfen seit Juni ohne Beschränkungen einreisen. Innerhalb des Landes darf man sich ungehindert fortbewegen. Die Infektionszahlen waren zuletzt leicht gestiegen, was neue Unruhe ausgelöst hatte. Allerdings beschränkt sich das auf lokale, kleinere Virusherde. In Geschäften, Zügen oder anderen geschlossenen Räumen gilt bis mindestens 31. Juli Maskenpflicht. An Stränden müssen Distanzregeln eingehalten werden – was teils nicht richtig gelingt. In Bars und Restaurants haben viele Wirte ihre Tische fast komplett nach draußen gestellt.
Kroatien
Kroatien erlaubt Deutschen die Einreise ohne Nachweis bestimmter Gründe. Die Reisenden müssen an der Grenze nur erklären, wo sie sich aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. An den Stränden gelten Abstandsregeln. In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln gilt inzwischen wieder Maskenpflicht. In dem beliebten Reiseland steigen die Infektionszahlen derzeit stark an. Seit Beginn der Pandemie wurden fast 5000 Infektionen nachgewiesen, 125 Menschen starben. Zuletzt verzeichneten die Gesundheitsbehörden bis zu 140 Neuinfektionen pro Tag.
Serbien
Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Serbien. Nach einer extremen Zunahme von Corona-Fällen wurde für Belgrad und für mehrere andere Städte die Ausnahmesituation erklärt. Der Balkanstaat gilt inzwischen als Virus-Hochburg.
Österreich
Reisende aus Deutschland haben wieder freie Fahrt nach und durch Österreich. An den Grenzen zu Ungarn oder Slowenien wird aber kontrolliert. Das ist die Folge der Reisewarnungen Österreichs für die sechs Westbalkan-Staaten sowie für Rumänien und Bulgarien. Angesichts der steigenden Zahl der Neuinfektionen ist das öffentliche Leben in Österreich nicht mehr ganz so unbeschwert wie zuletzt. Seit Freitag gilt wieder landesweit eine Maskenpflicht unter anderem in Lebensmittelgeschäften, bei der Post oder in der Bank. Aktuell sind rund 1500 Menschen nachgewiesenermaßen mit dem Coronavirus infiziert. Schwerpunkte sind Wien und Oberösterreich. Die gute Nachricht für die deutschen Urlauber: In den beliebten Bundesländern Tirol und Kärnten ist die Zahl der aktuell Infizierten mit 48 und 14 sehr niedrig. Allerdings ist die Zahl der aktuellen Corona-Fälle in St. Wolfgang in Oberösterreich auf mindestens 53 hochgeschnellt (siehe Weltspiegel).
Portugal
Für Deutsche gibt es keine Einreisebeschränkungen. Besucher müssen aber Angaben zum Zielort während des Aufenthalts machen. Zudem wird die Körpertemperatur gemessen. Portugal galt lange als eines der Länder Europas, die vergleichsweise gut und mit geringen Opferzahlen durch die Krise gekommen waren. Seit einigen Wochen wird aber eine besorgniserregende Zunahme der Neuinfektionen vor allem im Großraum Lissabon verzeichnet. In mehreren (von Touristen weniger besuchten) Vororten der Hauptstadt galt daher seit Ende Juni bis zum 26. Juli ein Lockdown. Am Freitag sagte der Bürgermeister von Lissabon, die Zahlen hätten sich derart verbessert, dass er davon ausgehe, dass der Lockdown für die meisten betroffenen Gemeinden bald aufgehoben werden könne.
Rumänien
EU-Bürger dürfen frei nach Rumänien einreisen. Allerdings könnten diese nachher Probleme bei der Aus- oder Weiterreise bekommen, weil wegen stark ansteigender Infektionszahlen Reisende aus Rumänien in mehreren EU-Ländern mit Hindernissen rechnen müssen. So werden sie etwa im Nachbarland Ungarn automatisch unter Quarantäne gestellt. In den letzten Wochen ist die Zahl der Infektionen explodiert, die Behörden rechnen mit einem weiteren Anstieg.
Schweden
Die Schweden haben trotz sinkender Infektionszahlen noch vergleichsweise hohe Corona-Werte zu verkraften. Fast 5700 Menschen sind in dem Land bereits an dem Virus gestorben. Die schwedischen Grenzen sind für EU-Bürger offen – die Anreise per Flugzeug, Fähre oder Auto über die Öresundbrücke ist möglich. Das Auswärtige Amt hat Mitte Juli seine Reisewarnung für das skandinavische Land aufgehoben.
Türkei
Für die Türkei als Nicht-EU-Staat gilt die Reisewarnung des AA bis 31. August. Das Land hofft aber, dass diese bald und damit deutlich eher aufgehoben wird. Das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen wird aber als Risikogebiet eingestuft, die Aufhebung der Reisewarnung ist unwahrscheinlich. Außerdem gibt es Zweifel an den offiziell gemeldeten Infektionszahlen. sts/dpa