Sars-CoV-2: Sind Aerosole wichtige Verbreiter?

von Redaktion

München – Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 kann nicht nur beim Sprechen und Husten durch kleine Tröpfchen übertragen werden, sondern auch über „Aerosole“. Solche festen oder flüssigen Teilchen sind so klein, dass sie nicht nach wenigen Metern zu Boden sinken, sondern teils stundenlang in der Luft schweben können – und mit ihnen auch Coronaviren.

Dass solche Aerosole zu Infektionen führen können, war lange umstritten. Doch Hinweise, die in diese Richtung deuteten, wurden immer mehr. Nach einem offenen Brief, den fast 240 Wissenschaftler aus aller Welt unterzeichnet hatten, erkannte schließlich die WHO diese Möglichkeit der Übertragung an.

Immer noch unklar ist aber, wie wichtig dieser Ansteckungsweg für die Verbreitung des Coronavirus ist. Eine Veröffentlichung im Fachblatt „The Lancet“ schreibt ihnen jetzt eine weitaus höhere Bedeutung bei Atemwegsinfektionen zu, als lange angenommen. So ging man bis dahin davon aus, dass die meisten Atemwegsinfektionen über Tröpfchen stattfinden. Das sei aber nicht richtig, meint US-Lungenspezialist Kevin P. Fennelly, der für seine Analyse viele Studien auch zu anderen Erregern ausgewertet hatte. Demnach würden sich in Aerosolen, die kleiner als fünf Mikrometer sind, besonders viele Viren befinden, die von anderen Menschen leicht eingeatmet werden können.

In der Analyse geht es vor allem um dem Schutz von Krankenhauspersonal. Ärzte und Pflegekräfte sollten beim engen Kontakt mit Patienten demnach grundsätzlich FFP2- oder FFP3-Masken tragen und am besten zusätzlich Schutzschilde – für die Augen. Schilde könnten nämlich nur vor größeren Tröpfchen schützen, nicht aber vor Aerosolen. Chirurgische Masken bieten demnach zwar einen gewissen Schutz dagegen, reichten für medizinisches Personal im direkten Patientenkontakt aber nicht aus. Solche einfachen Masken machten daher eher für Patienten Sinn – als zusätzlicher, indirekter Schutz des Personals.

Doch lässt sich diese Analyse auch auf andere Alltagssituationen übertragen? Reichen etwa die üblichen Abstandsregeln in Innenräumen wie Büros und Klassenzimmern womöglich nicht? Diese Frage bleibt offen. Einmal mehr bestätigt die Studie aber den Rat, Räume gut zu lüften, um die Viruskonzentration in der Luft zu senken.

Dass schlecht belüftete Räume Infektionen über die Luft begünstigen, erkannten auch US-Mediziner der Harvard Medical-School in einer vor zwei Wochen im Fachblatt „JAMA“ veröffentlichten Studie an. Für einen Hauptübertragungsweg halten sie Aerosole jedoch nicht – trotz der Berichte von Infektionsclustern wie sie etwa in einem Chor aufgetreten waren. Solche Ereignisse halten sie eher für Ausnahmen. Die Diskussion geht also weiter. A. EPPNER

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