„Der Freistaat hat geholfen, damit die Mission ein Erfolg wird“

von Redaktion

INTERVIEW Bayerns Chef-Geologe erklärt, warum ein Meteoritenkrater in Schwaben der Schlüssel zum Leben auf dem Mars sein könnte

München – Im Grenzgebiet zwischen Bayern und Baden-Württemberg gibt es einen 24 Kilometer großen Trichter rund um die Stadt Nördlingen im Kreis Donau-Ries. Roland Eichhorn, der Leiter des Geologischen Dienstes am Bayerischen Landesamt für Umwelt, erklärt, warum das Nördlinger Ries eine wichtige Rolle bei der Mars-Mission spielt.

Verfolgen Sie den Verlauf der Mars-Mission?

Ja, natürlich. Ich habe mir den Start live angeschaut. Das ist was Besonderes. Denn Bayern hat ein kleines Stück mitgeholfen, damit die NASA-Mission ein Erfolg wird.

Was hat Bayern mit dem Mars zu tun?

Das klingt auf den ersten Blick verwunderlich, aber der Mars-Rover wird in einem Meteoritenkrater landen. Und ein ähnlicher Krater existiert ausgerechnet in Bayern – im Nördlinger Ries. Die NASA sucht auf dem Mars Spuren von frühen, ursprünglichen Lebensformen. Jetzt muss man wissen: Ohne Wasser gibt es kein Leben. Deswegen landet der NASA-Rover bewusst in einem Krater, der mal mit Wasser gefüllt war.

Das Wasser war ein exotisches Wasser – nämlich eine Seifenlauge. Vor 15 Millionen Jahren ist in Bayern ein Meteorit eingeschlagen und das erste Wasser in diesem Loch war genauso eine Seifenlauge wie höchstwahrscheinlich auf dem Mars.

Faszinierend. Der Freistaat hat Ähnlichkeiten mit fernen Planeten.

Jetzt kommt der zweite Aspekt, den man wissen muss. Das Wasser muss besonders seifenlaugig sein oder – wissenschaftlich gesprochen – der ph-Wert muss hoch sein, damit Leben entstehen kann. Das, was der Mensch als unangenehm empfindet, das fanden frühe Lebensformen wie Bakterien sehr angenehm. Sie haben angefangen, in diesem Wasser aufzublühen. Das war auch im Nördlinger Ries so.

Aber auf dem Mars gibt es keine Seen oder Pfützen.

Genau. Der Mars-Roboter kann nur Boden- und Gesteinsproben nehmen. Die Herausforderung ist, zu wissen, welche Gesteinsprobe man nehmen muss. Und welche Gesteine eventuell Spuren von Leben enthalten könnten. Also muss es ein Gestein sein, das aus so einem Seifenlaugen-Wasser abgelagert wurde. Das ist wie die Suche der Stecknadel im Heuhaufen. Aber im Nördlinger Ries haben wir tausend Meter in die Erde gebohrt und eine solche Ablagerungsschicht gefunden. Ein weltweites Forscherteam hat das Gestein untersucht und herausgefunden, dass der Stickstoffgehalt in so einem Stein besonders hoch ist. Diese bayerischen Daten haben wir an die NASA übermittelt, damit der Mars-Roboter den richtigen Stein aufhebt. Das ist unser kleiner Beitrag zur Mars-Mission.

Glauben Sie, dass der Mars-Roboter Leben finden wird?

Man hat frühe Lebensbausteine wie Aminosäuren schon in Meteoriten gefunden, deswegen kann es gut sein, dass man so was auch auf dem Mars findet. Aber bei einer anderen Sache lege ich mich fest: Höheres Leben gibt es auf dem Mars nicht.

Sind Sie in Kontakt mit der NASA? Bekommen Sie eine Rückmeldung?

Nein, da bekommen wir nichts mit. Aber witzigerweise ist es genau 50 Jahre her – im August 1970 war das Nördlinger Ries schon mal mittendrin bei einem NASA-Abenteuer. Damals hat die Crew der Apollo-14-Mission, die zum Mond geflogen ist, hier trainiert. Deswegen schließt sich ein Kreis. Alle 50 Jahre schreibt das Ries Raumfahrt-Geschichte.

Interview: Stefan Sessler

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