München – Die Reisebranche kann den Corona-Rückstand heuer wohl nicht mehr aufholen. Die Buchungen steigen in der Ferienzeit zwar, wie aus Daten von Travel Data + Analytics (TDA) hervorgeht, die für den Reiseverband DRV zur Halbzeit der Sommersaison ausgewertet wurden. Sie machen aber nur ein Drittel der Vorjahresumsätze aus. Die gestiegene Nachfrage zeige, „dass Verreisen auch im Corona-Sommer ein Thema ist“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Insgesamt sei die Situation der Branche allerdings dramatisch.
„Das Niveau der Neubuchungen fängt die Verluste durch das Stornoaufkommen zurzeit noch bei Weitem nicht auf“, erläuterte Fiebig. Das Auswärtige Amt hatte Mitte Juni die Reisewarnung für viele Länder in Europa aufgehoben. Außerhalb Europas gilt sie aber bis mindestens Ende August weiter, zum Beispiel für die Türkei. Veranstalter müssen bereits gebuchte Reisen absagen. Fiebig zufolge buchen die Menschen extrem kurzfristig. „Die Unsicherheit der Kunden ist nach wie vor spürbar“, sagte Fiebig. Im Winter sind vor allem Fernreisen beliebt.
Beliebt sind momentan Ziele am Mittelmeer. Ihr Buchungsanteil liegt bei Veranstalterreisen bei mehr als 60 Prozent. Anfänglich bevorzugten Urlauber dem DRV zufolge Ziele im westlichen Mittelmeerraum. Ganz oben stehen die Klassiker, die Balearen und die Kanaren. Allerdings sind die Buchungen für die Balearen zuletzt deutlich zurückgegangen. Seit zwei Wochen liegen die Reiseländer im östlichen Mittelmeerraum in der Gunst der Urlauber aus Deutschland leicht vorn – allen voran Griechenland. Die Nachfrage nach Trips in die Türkei stürzte nach Verlängerung der Reisewarnung dagegen ab. Der Tourismus ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Die deutsche Reisewirtschaft hat ein Umsatzminus von rund 20 Milliarden Euro bis Ende August. dpa