Zweimal bot Huml ihren Rücktritt an

von Redaktion

Auf Bewährung: Sehr knapp nur übersteht die Ministerin die Coronatest-Krise

München – Am Ende ist es eine kurze Geste, die alles über das Schicksal der Ministerin aussagt. Komm her, zügig, signalisiert Markus Söder mit einem ungeduldigen Winken der rechten Hand. Er steht am Eingang zur Pressekonferenz, sie soll jetzt mit ihm zusammen durch die Tür und vor die Kameras treten, und zwar dalli. Sie gehorcht sofort, und die Zuschauer wissen: Wenn Söder mit seiner angeschlagenen Gesundheitsministerin an der Seite hier ankommt, wird er sie nicht feuern. Nicht jetzt, nicht hier jedenfalls.

Wenige Minuten nach dem Wink spricht Söder aus, dass Melanie Huml bleiben darf. Zweimal habe sie ihm den Rücktritt angeboten. Zweimal lehnte er ab. Die Ministerin darf von Söders Gnaden im Amt bleiben und, wie er sagt, „die Scharte auswetzen. Ich habe weiter Vertrauen zu ihr. Fehler passieren.“

Das klingt großherzig, ist es aber nicht. Huml erlebt die düsterste Woche ihrer Karriere, ist aber nur zum Teil dafür verantwortlich. Die Corona-Testzentren an den Autobahnen im Eiltempo hochzuziehen, war Söders Wille, nicht ihrer. Huml zuzurechnen ist indes, dass sie viel zu spät auf das sich anbahnende Debakel der verzögerten Ergebnisse reagierte. Am Montag noch ließ sie Söder im Glauben, das sei alles halb so wild.

Glaubt man den Andeutungen aus dem Inneren der Staatskanzlei, war es eine hauchdünne Entscheidung, an Huml festzuhalten und nur einen ihrer Beamten zu versetzen. Seit 7 Uhr früh ließ sich am Donnerstag Söder immer wieder mit Huml und ein paar Ministern zusammenschalten. Um 10 und 13 Uhr erneut. Und um 14 Uhr, als Huml gerade in ihrem Ministerium vor die Presse treten und von den Aufräumarbeiten berichten wollte, ließ Söder mit einem Fingerschnippen den Auftritt absagen. Und zwar buchstäblich eine Minute vorher. Im Ergebnis sieht man an diesem Tag eine Ministerin, die wie ein ungezogenes Schulmädchen vorgeführt wird.

Dass die 44-Jährige in Wahrheit die Dienstälteste im Kabinett ist, weiß kaum einer. 2007 wurde sie berufen, zeitgleich mit Söder. Anders als er macht sie bei ihren Auftritten aber nie große Wellen. Was Huml tat und tut, wurde meist achselzuckend zur Kenntnis genommen. Wohlwollend hängen blieb höchstens Halbprivates: Wie sie Minister-Job und Familie trotz 230 Kilometer Entfernung unter einen Hut brachte, wie sie im Kabinett Stillpausen für ihre Babys durchsetzte. Dazu ihre Kompetenz als Ärztin, eine persönlich sehr angenehme Art, aber kein Profil, keine Kanten. „Von ihren Auftritten bleibt eher die Erinnerung an ihr rollendes R als Inhalt oder etwaige Emphase“, staunte die „FAZ“ unlängst.

Huml schuf sich in der CSU auch nie eine Hausmacht. Keine Feinde, kaum Freunde. Als junge Frau aus dem mit Polit-Talenten dünn besiedelten Oberfranken musste sie wenig Widerstand beim Weg nach oben bis zur Ministerin und stellvertretenden CSU-Vorsitzenden überwinden. Sie brauchte keine Netzwerke. Umso stärker hängt sie nun direkt an Söder.

Ihr Verbleib im Amt dürfte an Forderungen gebunden sein. Huml soll ihr Ministerium endlich für Krisen rüsten. Ein junges, kleines Haus, aus dem Umweltressort rausgeschält und dann noch auf München und Nürnberg verteilt. Der obersten Beamtin dort setzte Söder schon im Frühjahr entnervt einen erfahrenen Juristen aus seinem Umfeld vor die Nase. Auch die Öffentlichkeitsarbeit hakt. Nach jetzt einem halben Jahr Pandemie hätte ein forscherer Minister das längst neu aufgestellt.

Huml wird liefern müssen. An diesem Donnerstag sagt sie erst mal mit matter Stimme: „Ich bin dankbar, dass ich das Vertrauen weiterhin habe.“ C. DEUTSCHLÄNDER

Artikel 3 von 3