„Es fehlen 40 000 000 Mass“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Lothar Ebbertz ist Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes – das ist der Dachverband der Brauwirtschaft im Freistaat.

Die Umsätze in der Gastro sind heuer rapide gesunken. Und jetzt haben wir wieder einen Lockdown. Was bedeutet das für Bayerns Brauer?

Besonders schwierig ist es für die Brauereien, die einen relativ hohen Anteil ihres Bieres an die Gastronomie verkaufen. Die leiden dieses Jahr fürchterlich. Ganz schlimm war es nach dem Lockdown ab Mitte März. Und für den November sieht es ja nun auch nicht besser aus.

Aber dafür kaufen die Menschen mehr Bier im Supermarkt.

Ja, das ist so. Der Handel profitiert. Aber das Konsumverhalten ist ein anderes als im Wirtshaus oder auf einem Volksfest, wo man auch mal zwei Mass Bier trinkt. Man setzt sich nicht daheim vor den Fernseher und trinkt vier Halbe. Bayern liegt aktuell bei einem Minus beim Inlandsabsatz von 1,5 Prozent. Da könnte man jetzt sagen: „Die Brauer sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Aber dahinter verbergen sich deutliche Verschiebungen – mit Fassbier im Wirtshaus verdient ein Brauer mehr als mit Flaschen im hart umkämpften Einzelhandel. Bier wird hier leider doch stark über den Preis verkauft. Den Brauern fehlen in weit stärkerem Maße Umsätze als Absätze.

Wie steht’s um das wichtige Standbein Export?

Ein Viertel des Bieres, das im Freistaat gebraut wird, wird in normalen Jahren exportiert. Zusätzlich hat ja auch der Export gelitten. Heuer ist der Export um rund zehn Prozent eingebrochen. Es fehlen hier 40 000 000 Mass.

Wie blicken Sie auf die nächsten Monate?

Mit großer Sorge. Die neuerliche Schließung der Gastronomie ist für Wirte und Brauer ein herber Rückschlag. Was kommt danach? Gerade das Weihnachtsfeiergeschäft ist eine Säule in der Gastronomie, aber es gibt fast keine gebuchten Weihnachtsfeiern. Die Monate von Mai bis September waren trotz allem okay, aber wir gehen jetzt in die Wintersaison – und die wird hart. Für kleinere Brauereien mit hohem Gastroanteil und wenig Handelsgeschäft könnte es durchaus eng werden.

Trotz aller Negativmeldungen – gibt es irgendeine positive Nachricht?

Beim Flaschenbierkauf erinnern sich viele Konsumenten wieder ihrer heimischen Brauerei. Diese Unterstützung des Bräus vor Ort, der Rückhalt, den er erfährt, ist eine schöne Erfahrung. Ich hoffe, das hält an.

Interview: Stefan Sessler

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