Ein fataler Sommer – wie Reiserückkehrer für einen Infektionsschub sorgten

von Redaktion

Kosovo, Türkei, Kroatien, Spanien: Tausende Menschen haben vor Monaten das Virus aus ihrem Urlaub mit nach Deutschland gebracht

München – Rückblickend weiß man: Die Corona-Gefahr durch Reiserückkehrer war bereits im Sommer extrem hoch, wahrscheinlich höher als gedacht. Fast die Hälfte aller Neuinfektionen waren Ende August laut Robert-Koch-Institut (RKI) auf Ansteckungen im Ausland zurückzuführen.

Eine wichtige Rolle spielten dabei Familienbesuche – die meisten Reiserückkehrer haben sich damals in den Ländern des Westbalkans, in der Türkei, Bulgarien, Spanien, Rumänien und Polen angesteckt. Gut zwei Monate, nachdem die Bundesregierung ihre weltweite Reisewarnung aufgehoben hatte, erreichte der Anteil der Neuinfektionen aus dem Ausland seinen Höhepunkt – zwischen dem 20. Juli und dem 16. August zählte das RKI bundesweit insgesamt rund 16 000 Neuinfektionen. Knapp 6500 davon haben ihren Ursprung im Ausland. Es war der Zeitpunkt, als die Sorge vor einer zweiten Welle, die jetzt längst da ist, von Tag zu Tag wuchs.

Reiserückkehrer haben sich im Sommer 2020 am häufigsten im Kosovo infiziert: Gut 1700 Menschen haben sich laut offiziellen Zahlen innerhalb von vier Wochen dort angesteckt und sind daraufhin wieder nach Deutschland eingereist. Die Dunkelziffer ist natürlich höher. Auf Platz zwei liegt die Türkei – 1100 Reiserückkehrer haben sich dort angesteckt. In fast 800 Fällen hat das RKI Kroatien als „wahrscheinliches Infektionsland“ angegeben.

Dahinter folgten Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Spanien, Serbien, Rumänien und Polen mit jeweils 200 bis 300 Neuinfektionen. „Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Altersgruppen“, heißt es damals im RKI-Lagebericht, „fällt auf, dass unter den Fällen mit Angabe Kosovo und Türkei eher Kinder und Personen mittleren Alters betroffen sind, was auf mögliche Reisen im Familienverbund hinweist.“ Hingegen seien bei den Fällen aus Spanien und Kroatien eher junge Leute zwischen 20 und 24 Jahren betroffen, „was wiederum eher auf Vergnügungstourismus hindeutet“.

Ende August reagierte das Auswärtige Amt mit einer Reihe von Reisewarnungen: Erst für große Teile Spaniens und Kroatiens, dann wurde die Liste immer länger – bis Ende September galt bereits für etwa die Hälfte aller europäischen Länder zumindest teilweise eine Reisewarnung. Bayern verabschiedete sich in dieser Zeit auch von den kostenlosen Corona-Tests an den Grenzen: Stattdessen sollten sich die Reiserückkehrer aus Risikogebieten in eine 14-tägige Quarantäne begeben, die frühestens mit einem Test ab dem fünften Tag beendet werden konnte.

Die Teststationen an den Autobahnen haben damals wegen einer Pannenserie für Schlagzeilen und Wirbel in der Staatsregierung gesorgt: Testergebnisse von 44 000 Menschen konnten im August nicht zugestellt werden. An den Stationen haben sich damals 480 000 Menschen testen lassen, fast 6000 Tests waren positiv. KATHRIN BRAUN

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