„Leben auf anderen Planeten – jetzt könnte es Antworten geben“

von Redaktion

INTERVIEW Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter, der an TU München forscht, spricht über den Mars und den schwierigsten Teil der Mission

München – Auf dem Mars herrscht Hochbetrieb: Erst die Vereinigten Arabischen Emirate, dann China, jetzt die USA. Innerhalb weniger Tage kommen Sonden und Rover der drei Länder am roten Planeten an. Warum jetzt? Ulrich Walter, Physiker und Wissenschaftsastronaut an der TU München, erklärt, was hinter den Missionen steckt.

Warum wollen plötzlich alle gleichzeitig zum Mars?

Das ist nichts, was die Nationen wollen – sondern müssen. Wenn man zum Mars fliegen will, kann man nicht sagen: Morgen Früh um 8 geht’s los. Das geht bei Reisen zum Mond. Aber weil Erde und Mars um die Sonne kreisen, müssen sie in einer bestimmten Konstellation zueinander stehen – damit die Rakete Monate nach dem Start auch wirklich den Mars trifft. Das ist nur alle zwei Jahre der Fall. Deshalb mussten alle zur selben Zeit starten, nämlich Ende Juli 2020.

Haben die Nationen denn das gleiche Ziel?

Nein. Die Araber wollen in erster Linie demonstrieren, dass sie technologisch so weit vorn sind, dass sie es überhaupt bis zum Mars schaffen. Dafür haben sie jetzt einen Satelliten in die Umlaufbahn des Mars gebracht, der die Atmosphäre genauer untersuchen soll. Die Chinesen und die Amerikaner wollen hingegen mit einem Rover, also einem ferngesteuertem Fahrzeug, direkt auf dem Mars landen. Auch für China war es dabei wichtig, zu demonstrieren: Wir können jetzt auch auf dem Mars landen! Bisher sind von allen Landeversuchen gerade mal nur die Hälfte geglückt – die meisten Rover sind bei der Landung zerschellt. Nur die Amerikaner waren bisher ziemlich erfolgreich.

Was macht die Landung so schwierig?

Der Mars hat keine Atmosphäre wie die Erde. Deshalb kann man nicht einfach mit einem Fallschirm landen. Der Rover kommt mit einer extrem hohen Geschwindigkeit an und muss irgendwie abbremsen. Die Amerikaner nutzen ein Absetzgerät mit Düsenantrieb, das den Rover an Seilen sanft abladen soll.

Was hat der amerikanische Rover dann vor?

„Perseverance“ soll Bodenproben entnehmen. Und das könnte endlich die Frage beantworten wegen der alle Wissenschaftler am Mars interessiert sind: Was gibt es da unter der Oberfläche? Wir wissen, dass dort Eis liegt. Und wir wissen, dass es auf dem Mars vor 3,8 Milliarden Jahren so warm war wie auf der Erde – und dass es dort auch eine Atmosphäre gab. Man vermutet also, dass sich damals primitives Leben gebildet hat. Und wenn das so war, dann kann man diese Mikroben immer noch im Eis finden. Das würde beweisen, dass nicht nur auf der Erde Leben möglich ist.

Erwarten Sie also bahnbrechende Erkenntnisse?

Wenn ich das wüsste, würde ich jetzt kein Interview geben, sondern ein Paper schreiben und nächstes Jahr den Nobelpreis kassieren. Das ist eine der brennendsten Fragen überhaupt. Wie und unter welchen Umständen entsteht Leben? Gibt es auf anderen Planeten Leben? Jahrtausende haben wir nur darüber philosophiert – und bald können wir vielleicht Antworten darauf geben.

Und wo bleibt Europa?

Die ESA, die Europäische Weltraumorganisation, hat bislang zwei Landungen versucht – beide sind gescheitert. Eine Tragödie für eine so große Organisation. Eigentlich wollte Europa letztes Jahr zum dritten Marslandeversuch starten – man war spät dran und dann kam noch Corona dazwischen. Das Problem bei der ESA ist: Da müssen alle Nationen am selben Strang ziehen. Immerhin haben die USA und Europa vereinbart, Bodenproben gemeinsam zur Erde zurückzubringen – denn das wird der aufwendigste Teil der ganzen Missionen sein.

Interview: Kathrin Braun

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