HINTERGRUND

Die geheimen Tagebücher des Königs

von Redaktion

Sie sind wohl das bestgehütete Geheimnis der Bayerischen Staatsbibliothek: die Tagebücher von Ludwig I., die nach wie vor für die Forschung nur in Ausnahmefällen einsehbar sind. Ludwig, so viel ist bekannt, führte fast täglich Tagebuch. Für die Zeit von 1804 bis 1867 sind insgesamt 233 Bände erhalten – kleinformatige Kladden im Format weniger als ein DIN-A5-Heft. Aneinander gereiht messen sie über vier Regalmeter.

Obwohl die Sperrfrist eigentlich 50 Jahre nach dem Tod des Königs im Jahr 1918 abgelaufen war, entschied sich das damals noch „Königliche“ Staatsministerium des Äußeren für eine weitere Geheimhaltung. Jahrzehntelang schlummerten die Tagebücher ungelesen in der „Stabi“. Erst im Jahr 1982 einigten sich das Haus Wittelsbach und der Staat auf ein Verfahren, das den Zugang unter äußerster Diskretion erlaubt: Als ordentlicher Forscher stellt man eine Anfrage an das Hause Wittelsbach. Wird die – schwer genug – genehmigt, dann bekommt man die Tagebücher. Allerdings nicht im Original. Sondern eine Beauftragte der Stabi liest die beantragten Textstellen vor.

Der Historiker und Ludwig-Biograf Heinz Gollwitzer konnte für seine 1986 erschienene Studie die Tagebücher erstmals sichten. Problem: Gollwitzer hatte für Lola wenig übrig – für ihn war sie ein Fall für den Psychiater und nichts anderes als eine Lebedame, die seinen Helden gestürzt hatte. Manche sagen, der 1999 verstorbene Universitätsprofessor habe den Wittelsbachern damals signalisiert, dass man die Tagebücher am besten niemanden mehr zeigen solle: zu intim.

So musste die Forscherin Marita Krauss nun einige Schwierigkeiten überwinden, um Einsicht in die Tagebücher der Jahre 1846 und 1848 sowie ausschnittsweise auch späterer Jahre zu erhalten. Die Vereinigung der bayerischen Landeshistoriker setzte sich für die Forscherin ein, um vom obersten Wittelsbacher Franz von Bayern angesichts des heiklen Untersuchungsgegenstands eine Genehmigung zu erhalten. Er ließ sich überzeugen, weil Krauss schon einschlägige seriöse Arbeiten zur bayerischen Landesgeschichte, unter anderem über die Hoflieferanten, vorgelegt hat und es ihr nicht um eine Sensation ging.  dw

Lesen Sie dazu das „Münchner Merkur Magazin“ zu Ludwig II. mit einer Geschichte über das „Geheime Vermächtnis der Wittelsbacher“, zu erhalten an Kiosken oder über www. bavariashop.de

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