Scholz sucht den Biden-Moment

von Redaktion

Vilshofener Balsam für die Sozen-Seele

München – Als er sich den Mund trockengeredet hat, gönnt sich Olaf Scholz einen süffigen Glucks-Moment. Konzentriert greift er zum Weißbierglas und nimmt – gluckgluckgluckgluckgluck – fünf Schlucke, so als hätte ihm der Spin-Doktor gesagt, dass das hier gut ankommt. Bayern, sagt er dann kommod, sei ja ein sehr liberales Land. „Die Leute hier sind gut drauf.“

Hanseatische Herzlichkeit halt. Wobei man dem SPD-Kanzlerkandidaten mangelnde Inbrunst nicht vorwerfen kann. Beim politischen Aschermittwoch im Wolferstetter Keller in Vilshofen hält er keine krachende, aber eine kämpferische Rede. Erst ist Corona das Thema, dann die Zukunft. Die müsse jemand anpacken, sagt er. „Es braucht Leadership.“ Also seine.

Die SPD mag in Umfragen klar unter 20 Prozent liegen – ins Kanzleramt will sie trotzdem. Und so breitet der extra aus Berlin angereiste Scholz seine Visionen aus – vom Klimaschutz bis zur „Gigabit-Gesellschaft“. Auch an den Mindestlohn will er als Kanzler ran, der müsse steigen. Es ist eine breite Angebotstheke für alle potenziellen Partner.

Auf Rumpeleien verzichtet Scholz, ein paar Spitzen setzt er aber doch – gegen die grüne und schwarze Konkurrenz. Anton Hofreiters Eigenheim-Aussagen nennt er „moralischen Rigorismus, für den ich kein Verständnis habe“. Markus Söders „Bazooka“-Stichelei (eher eine Steinschleuder) gibt Scholz zurück: „Ich weiß ja, dass in Bayern alles größer ist. Aber dass Steinschleudern ein solches Ausmaß haben, hätte niemand gedacht.“ Insgesamt warnt er vor Politikern, die „das Posen wichtiger finden als die Tat“. Grüße an die Staatskanzlei.

Während Landeschefin Natascha Kohnen gegen die liberal-konservative Marktgläubigkeit schießt, sucht Scholz den versöhnenden Biden-Moment. „Nicht nur in den USA, auch in unserem Land ist festzustellen, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet“, sagt er – und fordert Respekt: zwischen Stadt und Land, Akademikern und Arbeitern. Balsam für die Sozen-Seelen gibt’s auch zum Schluss. In diesem Wahljahr, sagt Scholz, sei alles anders. Die SPD sei geeint, habe einen Kandidaten und einen Plan. „Die anderen arbeiten noch.“ M. MÄCKLER

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