DER ANSCHLAG IN HANAU
Es beginnt am Hanauer Heumarkt. Am Abend des 19. Februar 2020 geht Tobias R., 43, gezielt zu Lokalen, die von Menschen mit Migrationshintergrund besucht werden. Vor und in einer Bar erschießt er zwei Menschen, in einer Shisha-Lounge den Besitzer. Der Rumäne Vili Viorel Paun, 22, beobachtet das Geschehen vom Auto aus und will den Schützen stellen. R. fährt weiter zum Kurt-Schumacher-Platz, Paun folgt ihm. Tobias R. erschießt ihn durch die Windschutzscheibe. Danach tötet er in einem Kiosk und einem Café fünf weitere Menschen, fährt nach Hause, erschießt seine Mutter und richtet sich selbst. Der Vater, der auch in der Wohnung ist und das Gedankengut seines Sohnes teilt, bleibt unversehrt. Insgesamt gibt Tobias R. an jenem Mittwoch 52 Schüsse ab. Ein Gutachter bescheinigt ihm im Zuge der Ermittlungen posthum eine paranoide Schizophrenie, auf die seine rechtsradikale Ideologie aufgesetzt habe. Sein Fanatismus zeigt sich auch in einem ausländerfeindlichen Manifest, dass R. im Internet hinterlässt.
Von 2014 bis 2019 lebte Tobias R. in München im Stadtteil Obermenzing – in die Zeit fällt der Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum, bei dem ein ebenfalls rechtsradikaler 18-Jähriger am 22. Juli 2016 neun Menschen erschießt. Inwieweit die Tat R. als Vorbild diente, ist unklar. Beide Täter bereiteten ihre Taten aber mit Schießtraining vor. Tobias R. war Mitglied in der „Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft München 1406“ und arbeitete für ein Internet-Vergleichsportal. An beiden Orten fiel er angeblich nicht negativ auf. Seine zwei Waffen besaß er legal, obwohl er zuvor mehrfach Ärger mit der Polizei hatte, etwa wegen Drogenschmuggels und fahrlässiger Brandstiftung (er zündete im Wald Pornohefte an). Zudem stellte er seit 2002 mehrfach seltsame Strafanzeigen, zum Beispiel während seines BWL-Studiums in Bayreuth – weil ein unbekannter Geheimdienst ihn durch Wand und Steckdose abhöre. Das Gesundheitsamt diagnostizierte eine schizophrene Psychose, empfahl vergeblich eine Behandlung. 2013 bekam Tobias R. seine Waffenbesitzkarte. wha