Ärzte haben bisher nicht viel mehr als Kortison

von Redaktion

München – Während die Entwicklung neuer Corona-Impfstoffe im Rekordtempo gelang, fällt die Bilanz bei den Medikamenten ernüchternd aus: Nach wie vor haben die Mediziner nicht viel mehr als Kortison zur Verfügung, um schwer kranke Covid-Patienten auf den Intensivstationen zu retten. Kortison wird als Infusion verabreicht, der künstlich hergestellte Wirkstoff heißt Dexmethason. Das Mittel hat eine stark entzündungshemmende Wirkung. Ein Medikament, dass das Virus an sich effektiv bekämpft, hat sich noch nicht herauskristallisiert.

„Bislang ist keinem Präparat der entscheidende Durchbruch gelungen“, analysiert Dr. Christoph Spinner. Der Infektiologe und Pandemiebeauftragte des Uniklinikums rechts der Isar hat an den neuen nationalen Behandlungsleitlinien mitgearbeitet, die gerade veröffentlicht worden sind. Darin spielt Remdesivir, das einzige bislang für die Corona-Therapie zugelassene und einst als Hoffnungsträger gepriesene Präparat praktisch keine Rolle mehr. „Es erzielt allenfalls in einer sehr frühen Phase der Infektion eine Wirkung, bei Patienten mit einem schweren Verlauf bringt es dagegen keine wesentliche Verbesserung“, erläutert Christoph Spinner.

Auch andere antivirale Therapien haben bisher nicht so gezündet wie erhofft. Sie bewirken allenfalls einen unterstützenden Effekt zu Kortison, beispielsweise das Antikörper-Medikament Tocilizumab. Es wirkt zwar anti-entzündlich, ist aber in der neuen Behandlungsleitlinie noch nicht erwähnt. Ebenso wenig das Vitamin D3, das vor allem bei Medizinern mit alternativen Behandlungsansätzen hoch im Kurs steht.

Doch noch haben die Mediziner die Hoffnung auf effektive Medikamente zur Behandlung von Corona-Patienten nicht aufgegeben: Neben dem Martinsrieder Unternehmen Formycon (siehe Artikel oben) forschen andere Firmen an ähnlichen Therapieansätzen, auch mit sogenannten monoklonalen Antikörpern. Zudem sollen einige antivirale Therapien bald in Tablettenform zur Verfügung stehen. Sie könnten auch vom Hausarzt verschrieben werden. „Das wäre von Vorteil, weil diese Medikamente vor allem in der Frühphase der Infektion wirken könnten und deshalb möglichst früh nach Diagnosestellung oder bei Symptombeginn eingesetzt werden müssen“, erklärt Christoph Spinner.

ANDREAS BEEZ

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