Warum die Prinzregententorte seit 1946 nur noch sieben Schichten hat

von Redaktion

INTERVIEW Gertrud Karmann-Fleischmann ist die Urenkelin des Erfinders der berühmten Torte – sie betreibt eine Konditorei in München

München – Der Münchner Konditor Heinrich Georg Erbshäuser erfand 1886 anlässlich des 65. Geburtstags von Luitpold die berühmte Prinzregententorte. Gertrud Karmann-Fleischmann ist die Urenkelin des Erfinders, sie leitet heute die Konditorei Erbshäuser in der Glückstraße 1 gleich beim Odeonsplatz. Die Prinzregententorte ist, eh klar, die Spezialität des Hauses. Preis: vier Euro pro Stück. Oder 50 Euro für die ganze Torte.

Wie lange dauert es, bis eine Prinzregententorte fertig ist?

Drei Tage. Am ersten Tag werden die Böden gebacken. Am nächsten Tag kommt die Buttercremefüllung dran und ganz zum Schluss kommt der Fondant-Schokoguss drauf. Es ist Handarbeit so wie vor 100 Jahren. Aber gleichzeitig ist es ein Stück München. Das ist der Grund, warum wir die Konditorei bis zum heutigen Tag weiterführen.

Wer bestellt bei Ihnen?

Wir haben Familien aus München, die die Torte schon seit 100 Jahren bei uns kaufen. England, Amerika, wir haben zudem Kunden auf der ganzen Welt, die sich eine Torte zuschicken lassen. Eine meiner Konditorinnen ist extra aus Japan nach München gekommen, um bei uns die Lehre zu machen und zu lernen, wie man Prinzregententorten backt. Die Torte ist in Japan sehr bekannt. Auch aus Südkorea hatten wir letztes Jahr eine Auszubildende, die nur wegen der Torte zu uns gekommen ist.

Was gehört in eine Prinzregententorte?

Sieben sehr dünne Biskuitböden, jede Schicht symbolisiert einen Regierungsbezirk Bayerns, gefüllt mit Schokoladenbuttercreme, überzogen mit Aprikosenmarmelade und Schokolade. Die ursprüngliche Prinzregententorte hatte acht Schichten, seit 1946 gehört die Pfalz nicht mehr zu Bayern, deswegen hat die Torte jetzt eine Schicht weniger.

Mochte der Prinzregent die Prinzregententorte?

Ja, er hat sie geliebt. So sind wir bayerischer Hoflieferant geworden. Die Wittelsbacher gehören seitdem zu unseren Kunden. Prinzregent Luitpold war manchmal auch persönlich hier bei uns im Laden, um die Torte abzuholen.

Es gibt andere Konditoren, die sich damit schmücken, die Torte erfunden zu haben.

Es tauchen immer wieder neue Bewerber auf. Aber keiner kann es belegen. Unser Beleg ist der Ausspruch eines bekannten Mitglieds des Hauses Wittelsbach in einem Buch. „Konditormeister Erbshäuser hat die Torte anlässlich des 65. Geburtstags meines Vorfahren 1886 zum ersten Mal hergestellt“, heißt es dort. Meine Familie ist sich absolut sicher, dass unser Vorfahre der Erfinder ist. Schriftliche Belege haben wir keine mehr. Bei den Luftangriffen vom 24. auf den 25. April 1944 ist alles verbrannt. Auch das Originalrezept. Zum Glück kannte der damalige Konditor das Rezept auswendig. So konnte es mündlich weitergegeben werden. Inzwischen haben wir es natürlich aufgeschrieben.

Letzte Frage: Wie viele Stücke kann man essen?

Ein halbes Stück ist gut, ein dreivierteltes geht auch. Vielleicht sogar ein ganzes. Aber mehr geht nicht. Dafür ist die Torte zu mächtig.

Interview: Stefan Sessler

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