München – Die SPD um Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat in Rheinland-Pfalz kräftig im Lager der CDU gefischt. Laut einer vorläufigen Analyse von „infratest dimap“ schwenkten rund 19 000 CDU-Wähler ins Lager der SPD über. Auch rund 4000 AfD-Wähler liefen zur SPD über. Grüne Wähler konnte die SPD hingegen nicht zu einem Parteienwechsel animieren. Stattdessen verlor die SPD selbst rund 8000 Stimmen an die erstarkten Grünen, weiter 4000 an die FDP – und 18 000 an die Freien Wähler, die dadurch anders als vor fünf Jahren den Einzug ins Parlament schafften.
Die schwer geschlagene CDU verlor Stimmen in fast alle Richtungen – außer an die FDP. Zusätzlich traf die Christdemokraten laut infratest dimap, dass die Zahl der Nichtwähler aus den eigenen Reihen deutlich höher lag als vor fünf Jahren – um 54 000.
Die Grundlage für den SPD-Wahlsieg legte erneut die Generation „60 plus“, wie die Forschungsgruppe Wahlen analysierte. Die SPD blieb zwar in allen Altersgruppen stärkste Partei, verlor aber vor allem bei den unter 30-Jährigen (minus 9 Prozentpunkte). Nur bei den über 60-Jährigen konnte sie leicht um einen Prozentpunkt zulegen. 41 Prozent der über 60-Jährigen entschieden sich für die Sozialdemokraten – 33 Prozent in dieser Altersgruppe gaben der CDU ihre Stimme, nur fünf Prozent den Grünen. Die Grünen konnten trotzdem in allen Altersgruppen zulegen – insbesondere bei den unter 30-Jährigen (plus 9 Prozentpunkte).
SPD und Grüne waren laut der Forschungsgruppe bei den Frauen etwas erfolgreicher als bei Männern – bei AFD und FDP war es umgekehrt; bei CDU und Freien Wählern gab es nur geringe geschlechtsspezifische Unterschiede. Als zukünftige Regierung würde sich eine Mehrheit der Wähler Rot-Grün wünschen. Rot-Schwarz oder eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP stößt auf weniger Resonanz.
Die Wahlbeteiligung in Rheinland-Pfalz lag mit rund 65 Prozent deutlich niedriger als 2016 mit 70,4 Prozent.
Grüne punkten bei Corona und Klima
Was die SPD für Rheinland-Pfalz, sind für Baden-Württemberg die Grünen. Allerdings fiel der Erfolg von Winfried Kretschmann ein gutes Stück deutlicher aus als der von SPD-Frontfrau Malu Dreyer – denn die Grünen konnten nochmals zulegen auf über 32 Prozent (2016: 30,3). Wie aus Wählerbefragungen der Forschungsgruppe Wahlen hervorgeht, haben die Grünen den Siegeszug vor allem ihrem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zu verdanken, der bei der Landtagswahl ein „überragender Faktor“ gewesen sei, wie die Forscher schreiben. Das besondere Geheimnis des 72-Jährigen: 80 Prozent aller Menschen im Land bescheinigen ihm laut der Forschungsgruppe eine gute Arbeit – quer durch die politischen Lager. Kretschmann verkörpere wie kaum ein anderer den „idealtypischen Landesvater“. Die Grünen seien in Baden-Württemberg „längst in der politischen Mitte angekommen“, so die Wahlforscher weiter.
Die Unterstützung aus weiten Bevölkerungsteilen beruhe auch auf sehr guten Noten für die Regierungsarbeit und das Parteiansehen. Die Grünen seien erneut unter Hochgebildeten und in Großstädten besonders erfolgreich gewesen. Inzwischen seien sie aber in allen Altersgruppen stärkste Partei. Bei der Gruppe der Wähler ab 60 Jahren schafften die Grünen ein beachtliches Plus von 7 Prozentpunkten auf 35 Prozent.
Die CDU hat laut Forschungsgruppe bei Wählern unter 45 Jahren stärkere Einbußen hinnehmen müssen. Die AfD verlor viel Zustimmung bei den unter 45-Jährigen, die FDP gewinnt hier klar überdurchschnittlich. Zahlen zu den Wählerwanderungen lagen bei Andruck dieser Ausgabe für Baden-Württemberg noch nicht vor. Jedoch dürfte die CDU spürbar Wähler an die Grünen verloren haben.
Bestimmendes Thema der Wahl in Baden-Württemberg war die Corona-Pandemie, gefolgt von Klima und Umwelt. Vor allem beim Klimaschutz schreiben die Wähler die Kompetenz den Grünen zu, auch bei Corona schneiden die Grünen besser ab als die CDU. Dabei stand die Situation im Land im Vordergrund. 63 Prozent der Befragten gaben an, ihre Stimme mit Blick auf Baden-Württemberg vergeben zu haben.
Die Grünen sind vor allem bei Frauen beliebt: 36 Prozent wählten Kretschmann, nur 23 Prozent die CDU, aber auch bei den Männern liegen die Grünen mit 29 Prozent vorne (CDU 22 Prozent). Die Mehrheit wünscht sich eine Koalition aus Grünen und CDU. Die Wahlbeteiligung lag mit geschätzt 65 Prozent niedriger als 2016 (70,4). wha