München – Die Aussetzung der Corona-Impfungen mit Astrazeneca bremst die bayerischen Impfzentren aus. „Das ist ein schwerer Schlag für die Impfkampagne im Landkreis“, sagte gestern der Kreisgeschäftsführer des BRK Fürstenfeldbruck, Rainer Bertram. Pro Tag impfte das BRK im Fürstenfeldbrucker Impfzentrum zuletzt rund 300 Menschen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers, zwischen 300 und 400 mit anderen Impfstoffen.
Bertram geht davon aus, dass es mindestens „ein paar Tage“ dauern werde, bis man Klarheit über die weiteren Impfungen mit Astrazeneca habe. Durch andere Impfstoffe könne man den Wegfall nicht kompensieren. Davon sei einfach nicht genug da. Wie Bertram betont, sei der Impfstoff von Astrazeneca bisher sehr gut angenommen worden. Rund 90 bis 95 Prozent der Impfkandidaten, denen dieser Impfstoff zugeteilt wurde, hätten sich auch damit immunisieren lassen.
Im Landkreis Ebersberg sollte Astrazeneca in einem Pilotprojekt bald auch in Arztpraxen eingesetzt werden. Internist Marc Block, ärztlicher Koordinator im Landkreis, hätte am kommenden Montag in seiner Zornedinger Praxis die erste Corona-Impfung verabreicht. Daraus werde nun nichts, sagte er. Im Ebersberger Impfzentrum sind für den heutigen Dienstag 700 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs angekündigt. „Ich gehe davon aus, dass diese Lieferung auch kommt“, sagte Liam Klages, Leiter des Impfzentrums. Für diese Dosen seien aber noch keine Termine ausgemacht worden. Lediglich 15 Termine für heute hätten abgesagt werden müssen.
Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sollten in dieser Woche rund 500 Impfdosen von Astrazeneca verimpft werden – rund ein Drittel des gesamten Impfstoffangebots. Das Impfzentrum in Hausham im Landkreis Miesbach hat von der Astrazeneca-Aussetzung aus den Medien erfahren. Allein heute waren dafür 77 Impftermine angesetzt. Bereits am Wochenende hatten einige Lehrer und Erzieher die Impfung verweigert. Die Dosen wurden aber alle anderweitig gespritzt.
Der Landkreis Starnberg kann diese Woche nun 2100 statt 2800 Impfungen durchführen. Die bereits vereinbarten Termine müssen abgesagt werden. Betroffene erhalten einen Anruf vom Callcenter des Impfzentrums in Gauting. Der Landkreis Dachau hatte geplant, pro Woche 700 Personen mit Astrazeneca zu impfen. Der Impfstoff werde nun gelagert. „Man kann ihn ja, im Gegensatz zum Biontech-Impfstoff, ein paar Wochen aufheben“, sagte Landrat Stefan Löwl.
Rund 473 000 Dosen Astrazeneca erhielt der Freistaat laut Bundesgesundheitsministerium bislang. Die letzte Lieferung mit 150 000 Dosen datiert vom 9. März. Verimpft wurden in Bayern laut RKI bis Sonntag 273 571 Astrazeneca-Dosen, alle für Erstimpfungen. Insgesamt wurden im Freistaat rund 1,12 Millionen Personen gegen das Coronavirus geimpft. Rund 505 000 haben schon die zweite Impfdosis erhalten. Bei den Erstimpfungen macht Astrazeneca rund ein Viertel aus. Aber nur 26 Personen, denen Astrazeneca zugeteilt wurde, haben die Zweitimpfung erhalten.
Die deutsche Impfstrategie setzt darauf, die laut Zulassung möglichen zwölf Wochen zwischen Erst- und Zweitimpfung auszureizen, um so schnell wie möglich viele Erstimpfungen durchzuführen. Auch eine Dosis sorgt schon für einen gewissen Impfschutz. Diese Frist ist vorerst nicht gefährdet, die Astrazeneca-Impfungen in Bayern begannen in der zweiten Februarwoche.