5 FRAGEN AN
Albert Söhl vom Bayerischen Roten Kreuz ist Leiter des Impfzentrums in Freising. Er berichtet, was die Aussetzung von Astrazeneca für die Organisation der Impftermine bedeutet – und wie groß die Sorgen der Geimpften nun sind.
Mussten Sie am Montag Menschen nach Hause schicken, die einen Impftermin mit Astrazeneca hatten?
Nein, wir hatten aktuell keine Impfung mit diesem Impfstoff geplant. Die Astrazeneca-Termine bis Ende der Woche müssen wir natürlich absagen. Das betrifft 100, maximal 200 Personen. Wir werden diese Woche die Zahl der Impfungen insgesamt etwas runterfahren müssen – und einfach nur noch Biontech und Moderna verwenden. Aber wir vergeben die Termine immer sehr kurzfristig, sodass wir jetzt nicht viel umplanen müssen.
Am Wochenende haben Sie in Freising über 2000 Lehrer und Erzieher mit Astrazeneca geimpft. Wie groß war die Skepsis?
Nach wie vor spüren wir die Sorge. Rund 250 Menschen, die angemeldet waren, sind gar nicht erst gekommen. Ich bin aber sicher, dass sich niemand, der die Impfung gerade bekommen hat, Sorgen machen muss. Nebenwirkungen treten sofort auf oder gar nicht. Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass Astrazeneca ein sehr guter Impfstoff ist.
Können Sie die Entscheidung nachvollziehen, dass Deutschland den Impfstoff vorerst nicht mehr verimpft?
Ja, kann ich. Wir Deutschen sind eben sehr genau und versuchen, jedes Problem zu klären, bevor es auftritt. Das ist unsere Mentalität.
Wie geht es für diejenigen weiter, die auf die Zweitimpfung mit Astrazeneca warten?
Die zweite Impfung ist erst nach neun bis zwölf Wochen vorgesehen. Das betrifft aktuell also noch niemanden. Wir können jetzt erst mal die Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts abwarten.
Rechnen Sie mit mehr Anrufen bei der Hotline, weil die Menschen verunsichert sind?
Die ersten E-Mails laufen gerade ein. Natürlich kommen jetzt mehr Nachfragen und wir müssen die nächsten Tage etwas mehr beruhigen. Für das Image von Astrazeneca ist das natürlich der Super-GAU. Dieser Impfstoff ist von Anfang an schlechtgeredet worden. Meiner Einschätzung nach zu Unrecht. Künftig wird Astrazeneca sicher noch weniger akzeptiert werden. Das finde ich wirklich schade. Denn das Problem, dass wir viel zu wenig Impfstoff haben, bleibt ja.
Interview: Katrin Woitsch