4 FRAGEN AN
Bernd Ohlmann ist Sprecher des Handelsverbandes Bayern. Er fordert eine komplette Öffnung des Einzelhandels oder zumindest eine Anpassung der Regeln und eine deutliche Beschleunigung der Hilfszahlungen. Für viele Händler, sagt er, ist die ständig wechselnde Lage ein zusätzliches organisatorisches Problem.
Viele Geschäfte müssen, kurz nachdem sie am 8. März öffnen konnten, schon wieder zusperren. Was bedeutet das für die Einzelhändler?
Vielen steht das Wasser bis zum Hals. Jeder Tag Öffnung und jeder Euro Umsatz zählt. Händler, die Filialen in verschiedenen Landkreisen haben, berichten, dass sie mit dem reinen Liefer- und Abholgeschäft nur einen Bruchteil des Umsatzes machen, der mit normaler Öffnung oder Shoppen mit Termin möglich ist. Aber selbst Terminshopping ist vielerorts nicht möglich. Die angebliche Öffnungsmatrix war nur eine Beruhigungspille.
Was muss sich aus Sicht des Handels ändern, wenn die nächste Bund-Länder-Runde berät?
Eine reine Verlängerung der geltenden Regeln kann es nicht sein. Wir müssen weg von reinen Inzidenzwerten und auch etwa die Bettenbelegung auf den Intensivstationen berücksichtigen.
Dann hätte man einen anderen Indikator als die Sieben-Tage-Inzidenz und vielleicht etwas mehr Luft. Aber die Regeln für den Handel könnten sich immer noch laufend ändern.
Richtig. Ladenbetreiber müssten weiterhin kurzfristig Personal aus der Kurzarbeit holen, um diese kurz darauf wieder anzumelden. Auch die Warenbestellung ist so extrem schwierig. Hinzu kommt der Marketing-Aufwand, um die Kunden über die jeweils neuen Möglichkeiten zu informieren. Unsere Forderung lautet daher: Macht alles auf! Manche werden darüber jetzt den Kopf schütteln. Aber bei täglich sechs Millionen Kontakten im Lebensmitteleinzelhandel sind dort bislang keine Hotspots bekannt. Die FFP-2-Masken helfen zusätzlich.
Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die Politik bald so einen deutlichen Kurswechsel vollzieht.
Eine reine Verlängerung der geltenden Maßnahmen hieße jedenfalls in der Konsequenz, dass der Handel schon bald fast überall wieder komplett schließt. Dann müssten zumindest die Finanzhilfen endlich fließen. Die Überbrückungshilfe III kommt immer noch nicht richtig an. Aber wirklich hilft wohl nur: Impft, was das Zeug hält. Der neuerliche Dämpfer für die Hoffnungen, die auf dem Impfen ruhen, ist auch schlecht für die Wirtschaft. sr