Knapp zweieinhalb Wochen nach Beginn der Corona-Impfungen bei der bayerischen Polizei konnte bereits 10 809 Einsatzkräften das Vakzin von Astrazeneca verabreicht werden. „Wir hatten eine starke Nachfrage und haben noch Tausende, die gern geimpft werden wollen“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch im Innenausschuss des Landtags. Die Polizisten hätten die Impfungen gut vertragen, es habe aber eine Reihe von Kollegen gegeben, die danach „etwas lädiert nieder lagen“, einige für ein paar Stunden, andere bis zu eineinhalb Tage. Wegen der bundesweiten Aussetzung der Impfungen mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca sei nun auch die Impfung der Polizei abgebrochen, sagte Herrmann. „Ich hoffe aber sehr darauf, dass die Europäischen Arzneimittelagentur zu einem positiven Ergebnis kommt und wir mit dem Impfen fortfahren können.“
Der Virologe Alexander Kekulé erwartet die Wiederaufnahme von Astrazeneca-Impfungen in Deutschland. Er halte eine neue Impf-Empfehlung „unter Auflagen für wahrscheinlich“, sagte Kekulé der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es komme dabei auf die Begründung und mögliche Einschränkungen an, etwa, dass Astrazeneca „nicht für Personen mit bekanntem Thrombose-Risiko“ genutzt werden solle.
Das Präsidiumsmitglied der Intensivmediziner-Vereinigung DIVI, Uwe Janssens, hat die Entscheidung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigt, Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca vorläufig zu stoppen. „Herr Spahn kann doch gar nicht anders entscheiden, wenn die Expertinnen und Experten vom Paul-Ehrlich-Institut ihm so eine Botschaft auf den Tisch legen“, sagte Janssens, der früher Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin war, im Deutschlandfunk. Mit Blick auf die steigenden Neuinfektionen sagte Janssens, die Mediziner hätten dies bereits prognostiziert. Nach den Öffnungen müsse man nun „wieder zurückrudern“.
Nach dem vorläufigen Stopp der Astrazeneca-Impfungen in Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union hat der britische Gesundheitsminister Matt Hancock die Sicherheit des Mittels betont. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff die Blutgerinnsel verursacht habe, die bei einigen Patienten nach der Impfung festgestellt worden waren, schrieb Hancock in einem am Beitrag für die Zeitung „Sun“. In Großbritannien seien bislang bereits mehr als elf Millionen Astrazeneca-Impfdosen verabreicht worden. Die Rate der nach Impfungen gemeldeten Blutgerinnsel sei niedriger „als das, was normalerweise in der Gesamtbevölkerung zu erwarten wäre“.