INTERVIEW
Dr. Karlheinz Zeilberger ist Internist in München. In unserem Interview spricht er über das Risiko von Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca.
Können Sie die Verunsicherung der Menschen wegen Astrazeneca nachvollziehen?
Leider ja! Erst hieß es, der Astrazeneca-Impfstoff wirke wesentlich schlechter als die anderen Vakzine, und jetzt entsteht der Eindruck, Astrazeneca sei besonders gefährlich. Beides ist falsch, aber nüchtern betrachtet wird diese Fehleinschätzung aus vielen Köpfen nur schwer wieder herauszubringen sein.
Wie würden Sie versuchen, Ihren Patienten die Angst vor den Nebenwirkungen nach einer Astrazeneca-Impfung zu nehmen?
Ich würde Ihnen sagen: Wir sollten die Kirche im Dorf zu lassen. Es gibt Risikofaktoren für eine Thrombose, die wesentlich größer sind als diese Impfung.
Welche zum Beispiel?
Der Klassiker ist die Anti-Baby-Pille. Seit Jahrzehnten warnen Gynäkologen ihre Patientinnen vor einer gar nicht so unerheblichen Thrombosegefahr – insbesondere Raucherinnen. Diese Frauen treffen für sich eine Abwägung zwischen dem Nutzen, nicht schwanger zu werden, und dem Risiko, an einer Thrombose zu erkranken. Mal Hand aufs Herz: Wie viele Frauen verzichten aus Angst vor dieser seltenen Nebenwirkung auf die Pille? Ich kenne keine. Bei einer Impfung mit Astrazeneca ist das Risiko sogar noch geringer. Gleichzeitig hat man den großen persönlichen Vorteil, wahrscheinlich nicht an Corona zu erkranken – übrigens sind Thrombosen eine häufige Folge – und zudem Mitmenschen zu schützen.
Glauben Sie, dass es die Hausärzte schaffen können, ihre Patienten von einer Impfung mit Astrazeneca zu überzeugen?
Leicht wird das nicht – selbst dann nicht, wenn die Arzneimittelbehörde den Impfstoff wieder freigibt. Die Frage ist auch, ob es fair wäre, den Hausärzten diese Aufgabe aufzubürden. Erst waren sie bei den Impfungen komplett außen vor, jetzt sollen sie für 20 Euro pro Patient die Impfkampagne retten. Das spricht weder für Wertschätzung noch für wirtschaftliches Verständnis mancher Politiker. Hilfreich wäre zumindest, wenn Astrazeneca für alle Interessenten freigegeben würde.
Interview: Andreas Beez