München – Wie geht es an Bayerns Schulen nach den Osterferien weiter? Ganz klar war das nicht. Der Bayerische Realschullehrerverband etwa hatte gefordert, die Schulen eine Woche länger zuzulassen. Und er sprach sich dafür aus, dass die Schnelltests zuhause oder zumindest außerhalb der Schule von Experten durchgeführt werden. Beides kommt nun anders: Die Schulen öffnen, und getestet werden soll an den Schulen vor dem Unterricht.
Im Kern geht es weiter wie vor den Ferien: Bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 findet Wechselunterricht statt, bei einer Inzidenz über 100 Distanzunterricht. Nur die Abschlussklassen, die elften Klassen der Gymnasien und der FOS sowie die vierten Klassen der Grund- und Förderschulen bleiben dann im Wechselunterricht. Neu ist, dass die Testpflicht, die bisher erst ab einer Inzidenz von 100 galt, jetzt generell gilt. Mindestens zwei Mal die Woche sollen Lehrer und Schüler getestet werden. Verpflichtend und unabhängig von der Inzidenz. „Eine Teilnahme am Unterricht ist nur mit negativem Test möglich“, betonte Kultusminister Michael Piazolo (FW) gestern.
Kommen rechtzeitig genügend Tests?
Wie das in der Praxis aussieht, könnte spannend werden. Denn viele Eltern haben sich bisher geweigert, ihre Kinder testen zu lassen. Unter anderem befürchten sie, ihr Kind könnte gemobbt werden, sollte es plötzlich positiv sein (siehe Interview). Andere sehen die Schulen überfordert, zum Beispiel der Elternbeirat der Realschule Herrsching. In einem offenen Brief wandte sich die Beiratsvorsitzende Sassa Bäumler an den Freistaat. Tenor: Zuhause zu testen sei besser, weil Eltern als Bezugsperson beruhigend auf ihr Kind einwirken könnten. „Zumindest alternativ könnte den Familien die Möglichkeit der Testung zu Hause gegeben werden“, heißt es am Ende des Briefes. Diese Variante hat der Freistaat aber nicht vorgesehen.
Rainer Dlugosch ist Direktor des Gymnasiums Miesbach. Ja, man habe mit Eltern und Schülern schon über das Thema Selbsttests gesprochen, sagte Dlugosch unserer Zeitung. Dlugosch findet es wichtig und richtig, dass getestet wird. Aber wie das in der Praxis genau aussehen soll, das bereitet ihm Sorgen. „Für 1000 Schüler müssten bis Montag die Tests logistisch bei uns ankommen. Das bezweifle ich“, sagte er. Im Kollegium gebe es noch viele weitere Fragen. Zum Beispiel, wie ein Lehrer mit einem positiven Testergebnis bei einem Schüler umgehe, praktisch wie pädagogisch.
Noch eine Sache treibt Dlugosch um. Er befürchtet, dass manche Eltern ihre Kinder lieber ungetestet in den Distanzunterricht schicken. Die Distanz-Klassen könnten so schnell wachsen. Das Problem: Grundsätzlich gilt auch Distanzunterricht als Erfüllung der Schulpflicht. Wenn Präsenzunterricht gilt, haben die Verweigerer aber keinen Anspruch darauf, dass eine Schule Distanzunterricht anbietet.
Lehrerverband droht mit Distanzunterricht
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) forderte gestern Impfangebote für alle Beschäftigen in Kitas und Schulen. „Wenn nicht absolut sicher getestet werden kann und die Impfangebote nicht da sind, dann müssen die Schulen zu bleiben. Dann machen wir weiter im Distanzunterricht“, drohte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.
Die Landtagsfraktion der SPD begrüßte die Testpflicht als „sinnvolle Maßnahme zum Schutz der Gesundheit“. Allerdings, so die gesundheitspolitische Sprecherin Margit Wild, müsse der Freistaat nun auch ausreichend Tests an die Schulen liefern. Zudem will die SPD die Tests von geschultem Personal durchgeführt sehen. Ob die Lehrer die Tests durchführen müssen oder Unterstützung bekommen, diese Frage blieb gestern offen.
Ebenso, ob alle Schulen in Bayern mit ausreichend Tests versorgt sind. Das Kultusministerium teilte auf Anfrage mit, der Freistaat habe „frühzeitig Selbsttests für die Bildungseinrichtungen in Bayern beschafft“. 9,5 Millionen Tests seien bis Ostern an die Kreisverwaltungsbehörden ausgeliefert worden. Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt habe eine Lieferung bekommen. Weitere Lieferungen würden im Wochenrhythmus erfolgen. Für die Verteilung an die Schulen und Kitas seien die örtlichen Behörden zuständig. Auch Piazolo erklärte, der Freistaat halte Testkits in ausreichender Menge vor.
Piazolo: Belastbarkeit der Schüler ist erreicht
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich verärgert ob der Vielzahl von Vorschlägen, die von Interessensverbänden nahezu im Tagesabstand in der Öffentlichkeit platziert werden. „Die einen wollen die Impfreihenfolge ändern, die anderen wollen das Abi ausfallen lassen. Andere wiederum wollen die Ferien verkürzen. Ich glaube, dass das alles falsch ist.“ Die Schulgemeinschaft brauche in erster Linie Verlässlichkeit. Dazu, so Söder gehörten auch die Prüfungen. Auch Piazolo betonte, Bayern sei auf Prüfungen unter fairen Bedingungen vorbereitet. Piazolo verwies abschließend auf die große Bedeutung geöffneter Schulen. Die psychische Belastbarkeit der Jugendlichen sei erschöpft. Gebe es keine Orte der sozialen Begegnung für sie wie die Schule, würden sie sich diese anderswo suchen.