Merz: „Die CDU kann sich den Kanzlerkandidaten nicht nehmen lassen“

von Redaktion

Herr Merz: Wie beurteilen Sie die Corona-Politik von Armin Laschet?

Im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern steht Nordrhein-Westfalen nicht schlecht da, wir sind bei den Zahlen durchweg besser als etwa Bayern. Dabei haben beide Länder Hochrisikogebiete an den Außengrenzen, Österreich und Tschechien, Belgien und die Niederlande. Der NRW-Landesregierung ist die Eindämmung offenkundig besser gelungen als manchen anderen. Armin Laschet hat auch von vornherein immer auf die Frage geschaut, wie wir aus dem Lockdown wieder herauskommen. Das war in der Sache angemessen.

Wie erklären Sie sich Laschets schwache Umfragewerte?

Umfragen sind eine Augenblicksaufnahme. Sie taugen nicht für eine personalpolitisch strategische Entscheidung. Umfragewerte sind auch nicht der einzige Maßstab.

Die CDU im Umfragetief: Welchen Anteil hat der neue Vorsitzende daran?

Dieser Anteil ist gering, er ist erst seit Januar im Amt.

Wann wird die Kanzlerkandidatur der Union entschieden?

Ich hoffe, in den nächsten Tagen. Worauf wollen wir denn noch warten? Auf die Auferstehung – von wem denn?

Spielt die Kanzlerin bei der Entscheidung eine Rolle?

Das weiß ich nicht.

Und wer wird es?

Armin Laschet hat unverändert gute Chancen.

Er ist auch Ihr Kandidat?

Die CDU kann sich den Kanzlerkandidaten eigentlich nicht nehmen lassen.

Warum nicht Markus Söder von der CSU?

Seine Kandidatur hätte erhebliche Folgen für das Verhältnis zwischen CDU und CSU. Es kann in der gegenwärtigen Lage eigentlich auch nicht im Interesse der CSU liegen, den Kanzlerkandidaten zu stellen. In Bayern sind im Jahr 2023 Landtagswahlen. Die kann nach gegenwärtigem Stand der Dinge nur Markus Söder mit absoluter Mehrheit gewinnen. Ein Kanzler Söder würde zudem das Binnenverhältnis in der Union zu Lasten der CSU deutlich verändern. Die CSU könnte ihre Rolle, immer auch ein bisschen Opposition gegen die eigene Regierung zu sein, nicht mehr spielen.

Warum stichelt Söder seit Tagen gegen Laschet?

Das ist ein Wesensmerkmal der CSU seit ihrer Gründung. Das ist auch die schiere Lust an der Provokation. Wobei dieser Spannungsbogen von zwei Parteien in einer Bundestagsfraktion durchaus konstruktiv sein kann – wenn es gut gemacht ist und im Ton fair bleibt.

Sie persönlich betonen Ihr gutes Verhältnis zu Armin Laschet, gegen den Sie im Januar so knapp bei der Wahl zum CDU-Vorsitz verloren hatten.

Unser Verhältnis ist jedenfalls so gut, dass ich ihm auch offen sagen kann, wenn irgendetwas nicht so gut läuft.

Ein Kanzler Armin Laschet erhöht die Chancen für Sie auf einen Ministerposten?

Wir müssen erst einmal dahin kommen, dass die Union nach der Wahl noch eine Mehrheit hat. Wenn es eine Alternative gibt, werden die Grünen ganz schnell auf der anderen Straßenseite sein. Die FDP hat keinen Grund für Liebeserklärungen zu unseren Gunsten, dafür ist sie zu schlecht behandelt worden. Und die SPD ist in einer so schlechten Verfassung, dass sie jede Chance zur Regierungsbeteiligung nutzen wird.

Schon vor der Corona-Krise haben Sie das Erscheinungsbild der Bundesregierung als grottenschlecht bezeichnet. Wie ist Ihr Urteil heute?

Wir lagen damals bei genau den niedrigen Umfragewerten wie jetzt. Das Erscheinungsbild und auch die Arbeit der Regierung sind, freundlich und diplomatisch ausgedrückt, auch heute wieder suboptimal.

Interview: Martin Krigar, Alexander Schäfer, Christian Weber

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