„Tiefdruckgebiete geben sich gerade die Klinke in die Hand“

von Redaktion

INTERVIEW Ein Meteorologe erklärt, wie viel Sonnenschein uns erwartet und warum der Juni wärmer wird als zuletzt

Dirk Mewes ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Im Interview spricht er über den kalten Frühling, Tiefdruckgebiete und die Wetteraussichten für die nächste Zeit.

Wie wird das Wetter in den nächsten Wochen?

Aktuell ist die Warmluft nur von kurzer Dauer. Am Wochenende wird das Wetter von einem Zwischenhoch beeinflusst. Es wird warm und sonniger. In der kommenden Woche gestaltet dann ein Tief das Wetter wieder wechselhafter. Samstag in einer Woche deutet sich wieder eine Warmluftzufuhr an. Am übernächsten Sonntag wird das nächste Tiefdruckgebiet zu uns kommen und Wetterveränderungen mit sich bringen. Dann wird der Sonnenschein Schauern und einigen Gewittern weichen. Gegenwärtig geben sich Tiefdruckgebiete sozusagen die Klinke in die Hand.

Woran liegt es, dass es bei uns in Bayern zuletzt so kalt war?

Es ziehen immer wieder Tiefdruckgebiete zu uns. Sobald der Kern des Tiefdruckgebietes sich über Mitteleuropa befindet, wird kalte Luft aus den nördlichen Breiten zu uns bewegt. Wenn diese Tiefdruckgebiete nur langsam weiter ostwärts abziehen, dauern diese kälteren Perioden in unseren Regionen länger an.

Ziehen die kalten Tiefdruckgebiete sonst schneller ab?

Über Russland herrscht ein kräftiges Hochdruckgebiet. Das sorgt dafür, dass das Tiefdruckgebiet nicht so schnell nach Osten vorankommen und dem nächsten Zwischenhoch Platz machen kann. Damit strömt die wärmere Luft nicht so rasch zu uns. Das Hochdruckgebiet muss zuerst schwächer werden.

Wie ist Ihre Prognose für die nächsten Wochen?

Unsere Wettermodelle umfassen einen Vorhersagezeitraum von sieben bis zehn Tagen. Aber was man sagen kann: Es deutet sich an, dass das Temperaturmittel der Monate Juni, Juli und August 0,5 bis 1 Grad wärmer als der langjährige Mittelwert sein wird, der sich auf den Zeitraum von 1990 und 2019 bezieht. Der Niederschlag fällt vermutlich normal aus.

Interview: Sophie Lettl

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